Mutter eines 17-jährigen

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Ingrid_57
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Mutter eines 17-jährigen

Beitragvon Ingrid_57 » 26. November 2009, 13:04

hallo,

möchte mich kurz vorstellen. ich heiße Ingrid, bin 52 und habe einen sohn (Matthias, 17), der an epilepsie (fokale) seit seinem 8. lebensjahr leidet.

er nimmt seitdem medikamente, geht alle 6 monate zur blutspiegel- und EEG kontrolle.

er nimmt orfiril long 1000mg, 2x tgl
und timox 600mg auch 2x tgl ein.

außerdem leidet er unter ADHS. mit 7 diagnostiziert.
seit der 5. klasse öffnet er sich bei keinem psychologen mehr.
er hat zu fast niemandem mehr vertrauen.

eine sehr lange odyssee haben wir seit der 1. klasse hinter uns. untersuchungen, klinikaufenthalte, verhaltens- und psychotherapie.

nach dem qualifizierten hauptschulabschluss wurde er vom arbeitsamt zu einem berufsbildungswerk geschickt.

wir waren sehr erleichtert, denn mit seinem zwar IQ von 130 aber GdB 80% hätte er null chancen auf einem ausbildungsplatz gehabt.

jetzt ist er seit einem jahr in bitburg und die wollen die berufsvorbereitungsmaßnahme abbrechen. grund: er entwickelt sich nicht weiter und erlangt keine ausbildungsreife. er soll wegen seiner persönlichkeitsstörung in die psychiatrie.

wir sind völlig am boden zerstört. ich leide darunter und verbringe seit tagen im internet nach geeigneten maßnahmen zu suchen.

er versteht die welt gar nicht mehr. er kann den wahren grund nicht begreifen. er hat ja auch wahrnehmnungsstörungen. d.h. er sieht sein verhalten nicht und wundert sich, dass er da weg muß. nach seinem empfinden strengt er sich enorm an und keiner sieht das.

ich weiß einfach nicht mehr weiter. ich will für ihn das beste und habe angst, ihn schon wieder woanders hinzuschicken, wo sie ihn auch wieder ablehnen oder nicht richtig helfen können.

inzwischen habe ich mit hilfe seinem neurologen hier vor ort folgendes getan: einen termin bei der psychiatrischen ambulanz gemacht.

und ich habe in der klinik Mara/bielefeld angerufen und gefragt, ob er sich dort vorstellen könnte. ich muß erst eine diagnose v. aktuellen stand besorgen und dann wird es entschieden, ob er was für Mara wäre.

hat jemand von euch schon ähnliches erlebt? wie seid ihr damit umgegangen?


danke fürs zuhören
LG
Flavia
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Beitragvon Flavia » 26. November 2009, 14:42

Hallo

Herzlich willkommen.
Leider kann ich dir gar keinen Tipp geben...Dir nur sagen wie leid mir das tut!!
Ich kann mir vorstellen wie man sich als Mutter fühlt. Keiner will sich seinem Kind annehmen und jeder schiebt es weiter. Wie es in deutschland geregelt ist weiss ich nicht, so wie es tönt könnte es aber auch in der schweiz sein!
Wir haben hier eine Itschreiberin deren Bruder eine ähnliche Geschichte mitmachen musste. zwar hat er das downsyndrom kann aber arbeiten, sich mitteilen und mitfühlen....

Falls sie sich nicht meldet versuche ich sie persönlich zu kontaktieren damit sie mit euch Kontakt aufnehmen kann.

Viel Kraft und ganz liebe Grüsse Flavia
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Beatrice
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Beitragvon Beatrice » 26. November 2009, 14:49

Liebe Ingrid

Zuerst einmal herzlich willkommen.

Leider kann ich Dir nicht aus eigener Erfahrung direkt helfen, jedoch erscheint mir (wie auch Dir) die Psychiatrie ein denkbar schlechter Ort zu sein für einen jungen Mann mit einem IQ von 130, Epilepsie und ADHS.

Zumindest hier in der Schweiz ist da kein Einweisungsgrund gegeben, es sei denn, er gefährde mit seinem Verhalten sich oder andere.
Das Stagnieren einer erwarteten Entwicklung ist meines Erachtens KEIN Grund, jemanden in die Psychiatrie einweisen zu lassen. Es mag ermüdend sein für die dortigen Betreuungspersonen, wenn einer offenbar nicht weiterkommt, aber ist so eine Einrichtung nicht auch dazu da, den behinderten Menschen die Zeit und den Raum zu geben, bis eine Entwicklung möglich ist?

Ich denke, es gilt hier auch zu beachten, dass Dein Sohn unter Medikamenteneinfluss steht, die eine dämpfende Wirkung haben und neurologisch wirken. Da ist es einem nicht mehr "ums Bäume ausreissen" und munter sein - die machen müde.

Matthias empfindet es so, dass er alles gibt und vermutlich tut er das auch, doch lässt es sich offenbar nicht mit den Erwartungen vereinbaren, die von Aussen an ihn gestellt werden. Das ist nicht seine Schuld, da prallen einfach Welten aufeinander und offenbar fehlt den Angestellten dort jegliches Verständnis für diese Zusammenhänge. In dieser elenden Leistungsgesellschaft, die im Arbeitsleben dominiert, gehen all jene unter, die hier nicht voll mithalten können
und da schreibe ich aus Erfahrung, wenn auch nicht im exakt gleichen Zusammenhang (ich bin sehbehindert und dadurch etwas langsamer, aber keinesfalls weniger motiviert - nur das sehen die von Aussen nicht und wollen es auch nicht sehen)

Aber deswegen in die Psychiatrie? Nur das nicht.
Wäre dieser Aufenthalt dann als Bleibe für immer für ihn gedacht oder nur vorübergehend?
Was sind das konkret für Persönlichkeitsstörungen, von denen die reden?

Dieses Herumgeschobenwerden jedenfalls fördert es ganz sicher nicht, dass er sich irgendwo heimisch fühlt. Das macht schon von sich aus traurig oder böse - kaum hat er sich irgendwo eingelebt, soll er wieder weg.

Das Dilemma von Matthias scheint sein hoher IQ gekoppelt mit einer 80% Behinderung zu sein. Geistig käme er hoch hinaus, körperlich bleibt er auf der Strecke, und die Psyche ist dazwischen gefangen. Das gibt einen Widerstreit in sich, der fast nicht auszuhalten ist. Immer nur Misserfolge landen, egal wie sehr man sich anstrengt, das ist so ein Frust und der muss in einer Art auch wieder aus einem raus und manchmal halt als Schrei oder mit einer anderen aggressiven Handlung.

Vielleicht, wenn man einen Aufenthalt in der Psychiatrie dahingehend als angebracht erachtet, dass Matthias in sich stabiler werden könnte. Eine Therapie gefunden wird, die ihm hilft, sich so anzunehmen, wie er ist, bzw. ihm Erfolgserlebnisse verschafft (z.B. Malen, Tonarbeiten, Musik, Schreinern), die ihm signalisieren : "ich bin wer und ich kann das und anderes schaffen", dann könnte ich so einem Aufenthalt zustimmen,
aber nicht im Sinne eines Daueraufenthalts.

Vielleicht könnte er nachher an seine Ausbildungsstätte zurückkehren. Abgebrochen heisst ja nicht zwingend beendet.
Und falls das nicht möglich ist, gäbe es noch die beschützende Werkstatt.

Es wäre nicht das erste Mal, dass einer an einem Ort erstarkt ist, wo kein Leistungsdruck im klassischen Sinne herrscht, wo er sein durfte, wie er ist und sich aus sich selbst heraus so weiterentwickelt hat, dass der Weg hinaus eines Tages wieder offen und möglich ist.

Ich wünsche Dir und Matthias von ganzem Herzen, dass ein solcher Weg sich auftut

Ganz liebe Grüsse
Bea
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Ingrid_57
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Beitragvon Ingrid_57 » 26. November 2009, 17:22

Danke, Flavia.

und vielen Dank an Dich, Bea.
was soll ich sagen? mir kommen die tränen. du schreibst genau das, was ich fühle und wenn M demnächst wieder zuhause ist, lasse ich ihn dein bericht auch lesen. denn er leidet am meisten darunter, daß außer sein neurologe, der ihn als kind behandelt hat, sein kinderarzt (der arzt mit leib und seele ist) und ich ihn keiner versteht und richtig behandeln kann.

nein, er soll nicht auf dauer in die psychaitrie. es ist eine tagesklinik und wenn das mit mara klappt ziehe ich das vor allem vor.

ich habe aber wieder hoffnung geschöpft.
und nochmla 1001 dank euch allen für anteilnahme , trost und rat.

LG
Ingrid
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Beatrice
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Beitragvon Beatrice » 26. November 2009, 19:43

Liebe Ingrid

Es freut mich sehr, dass Du meinen Beitrag als hilfreich empfunden hast und etwas neue Hoffnung in Dir spürst. Damit bekommen meine eigenen Erfahrungen, die in diese Antwort eingeflossen sind, die schmerzlich genug waren auch eine Art Sinn im Nachhinein.

Ich denke, ich verstehe Matthias sehr gut.

Was mir in Sachen berufliche Tätigkeit noch eingefallen ist, ist dies:
Hat Matthias sich dazu mal geäussert, was er gerne werde würde, hat er irgendein besonderes Talent (hat jeder, nur entdeckt man es manchmal nicht so schnell)
Hat sich jemals jemand für seine Träume interessiert, ich meine nicht, jene der Nacht (wobei die vermutlich auch interessant wären), sondern das, was er sich ganz bewusst wünscht zu machen.
Es ist sehr wichtig für so junge Menschen, ein Ziel zu haben. Damit können einem Flügel wachsen.

Lasst ihn das mal aufschreiben, auf einen grossen Bogen Packpapier. Alles, was er gerne tut, gut kann und alles, was ihn beruflich interessiert.
Und dies, ganz WICHTIG, ohne den Gedanken an die eigene Begrenzung und Behinderung zuzulassen. Ganz frei von der Leber weg, als gäbe es diese Einschränkungen nicht.

Es kann dann sein, dass er viele Dinge aufschreibt, die aufgrund der Behinderung nicht möglich sind, aber vielleicht haben diese Berufe "kleine Brüder", die mit ihnen verwandt sind und die möglich wären, auch für ihn.
Für solche "kleine Brüder" kann man sich viel eher begeistern und über sich selber hinauswachsen, als wenn einem einfach von oben herab diktiert wird, was man zu tun hat.
Er hat auch Rechte, Mitspracherechte sowieso.
Und selbst, wenn so ein kleiner Berufsbruder vielleicht "nur" ein Hobby wird, für das man sich interessiert, so ist das viel wert, denn meist hat man in den Dingen, die einen interessieren, mit der Zeit einen reichen Erfahrungsschatz, und damit einen sicheren Boden, auf dem man sich bewegt. Das gibt Bestätigung, man wird ein Insider.

Gerade für uns, die wir wegen einer Behinderung oft Outsider - Aussenseiter sind, ist es etwas vom Besten irgendwo Kenner zu werden. Das bestärkt, wertet auf und gibt Selbstvertrauen. Vielleicht gibt es einen Verein, in der er ein Amt übernehmen könnte oder einfach beitreten.

Auch in Sachen Therapeuten kann ich Matthias voll und ganz verstehen. Viele geben einem. vielleicht ohne sich dessen bewusst zu sein, von vorn herein das Gefühl, minderwertig zu sein. So einem Menschen will und kann man sich nicht anvertrauen - das blockt einfach.
Die meisten Therapien in diesem Bereich zielen darauf ab, das Verhalten des Klienten zu ändern und signalisiert damit auch wieder - "so wie Du bist, bist Du nicht okay!"
Damit verliert ein Mensch sogar noch das Vertrauen zu sich selbst - wie also soll er noch Vertrauen gegenüber anderen Menschen haben? Was man verloren hat, kann man nicht weiterschenken. Zurück bleibt innere und äussere Verunsicherung und Einsamkeit, beides lähmt einen zusätzlich.
Ich kann mir vorstellen, dass dies noch zur dämpfenden Wirkung der Medis dazukommt.

Darum bin ich zum Fan von Kreativem Tun geworden. Da darfst du zeigen, was Du kannst, was in Dir steckt, darfst deine Ideen preisgeben, ohne Worte, ohne dass alles wieder falsch ausgelegt wird. Beim Malen geht das besonders gut, aber man kann auch Musik machen, mit Holz arbeiten oder Schreiben.
Geschulte Personen können in solchen Kunstwerken lesen, sie führen Dich behutsam zu Entwicklungen, motivieren Dich zum Experimentieren, machen Dir Mut, Und das alles stärkt und hilft weiter, anders als es normale Psycho-und Verhaltenstherapien können, so ist jedenfalls meine Erfahrung.

Vielleicht kannst Du als Mama mitmalen. Wenn mir persönlich Worte fehlen, dann male ich ein Bild. Jeder hat seine eigene Art zu malen. Meine nenne ich Symbolbilder, manchmal Tage, manchmal auch erst Jahre später kann ich zum Bild etwas schreiben, was stimmig die Gefühle von damals, für die ich keine Worte hatte, ausdrückt.

So ein Bild ist dieses:
Bild


Und das ist das Gedicht dazu, das 1 1/2 Jahre später entstand, und das ich Dir und Matthias gerne mit auf den Weg geben möchte:

Die Hoffnung findet ihren Platz
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

Gerade erst noch
warst Du ein kerngesunder Baum
mit hoffnungsvoll grünen Blättern,
stabilen Ästen und einem Stamm,
an dem das Leben unaufhaltsam emporkletterte.
Und nun?
Tränen hängen anstelle von Blättern
an Deinen Ästen, die zeitweise schmerzen,
weil am Stamm ein Kummer nagt.
Die Unbeschwertheit und die Leichtigkeit sind dahin,
Deine Seele blutet,
plötzlich ist da Angst vor der Zukunft.

Doch die Hoffnung findet ihren Platz
auch dort, wo Tränen sind,
auch dort, wo Schmerzen sind,
auch dort, wo Angst ist und Ungewissheit.
Wenn auch nur ein winziges Plätzchen
für sie frei ist,
inmitten Deiner Not,
sie findet es und lässt sich nieder.
Sie wird ein Nest bauen in Dir,
ein Nest aus Halmen, so zart und zerbrechlich
wie das Leben,
aber sie flicht daraus eine Bleibe,
die standhaft ist und beweglich zugleich.
Die Hoffnung wird zu singen beginnen
und Deine Seele möchte tanzen.

Mögen auch Tage kommen,
an denen Du zweifelst,
mögen auch Stürme und Dunkelheit
Dich bedrohen,
die Hoffnung findet wieder zu Dir zurück,
immer und immer wieder,
solange Du es zulässt.

Wenn irgendwann alles drüber und drunter geht,
wenn Du die Orientierung verloren hast
und nicht mehr weisst,
wohin Du dich wenden sollst,
wenn Du dich hilflos ausgeliefert fühlst
und Du denkst, Du bist verloren....

Halt ein Plätzchen frei
für die HOFFNUNG!

Copyright by Bea Ladina Pfister

Ich freue mich, wieder von Dir zu lesen, wie es weitergeht und sende Dir und Matthias viele gute Gedanken und liebe Grüsse

Bea
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Ingrid_57
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Beitragvon Ingrid_57 » 27. November 2009, 02:44

liebe Bea,

also deine worte haben mir unheimlich gutgetan und dein gedicht! es ist so aufmunternd. ich kann es kaum abwarten, Matthias zu zeigen. das übernächste WE kommt er wahrscheinlich mit freundin. da wird nicht viel zeit sein, aber spätestens in den winterferien.

zu seinen persönlichkeitsstörungen, was die in bitburg festgestellt hatten: er redet nicht über sich und seine probleme. er senkt den kopf, sagt nichts, oder faselt unzusammenhängendes. (das sagten auch die psycholgen, die ihn bisher betreut haben, hier vor ort).

mit mir redet er seit der pubertät auch nicht mehr so direkt. aber ich kenne ihn gut, und stelle fragen, rate einiges und dann gibt er das eine oder andere zu.

wenn der pschologe ihn fragt, warum er sich denn keine mühe gibt, antwortet er immer "ich weiß von vornhinein, daß ich scheitere und deswegen habe ich angst was auszuprobieren". das hat er auch mir schon mal gesagt, als wir das schwierige thema hausaufgaben zu bewältigen hatten.

die idee, mit allem aufschreiben was er gut kann und beruflich tun möchte, unabhängig davon, ob es ausführbar ist, werde ich übernehmen.
das traurige ist auch, daß er seit der pubertät ungefähr, keine ziele hat.
er entwickelt sich nicht weiter. das ist eben so. traurig, aber wahr.

mit dem berufsbildungswerk war das so: nach der hauptschule ging er zum arbeitsamt, um sich testen zu lassen, welche ausbildung für ihn in frage käme. der test fiel nicht überraschend aus. mathe, rechtschreiben, logisches denken auf dem level eines gymnasiast. alles andere fiel bei dem test unter der kategorie "entwicklungsverzögert".

das arb.amt schlug deshalb dieses berufsbildungswerk vor, weil es der meinung war, man könne ihm dort helfen. es ist eine einrichtung v. roten kreuz und es bildet jugendliche aus, die probleme haben, etwas unterstützung brauchen.

ich war so glücklich, daß uns das arbeitsamt sowas anbot. ich vertraute denen und auf der homepage der schule sah auch alles gut aus. auch als ich ihn dort vorstellte, machten die auf mich einen guten eindruck. ich erzählte alles, nahm den ordner mit, mit seinem krankheitsverlauf, untersuchungen, diagnosen und bisherigen behandlungen.

ich ließ den ordner auch dort. sie hatten ihn ein halbes jahr dort behalten.
er sollte zunächst eine berufsvorbereitung machen, wo er in 3 berufen, die er sich ausgesucht hatte je ein monat reinschnuppern kann. das waren informatik, kaufmann für touristik und freizeit und mediengestalter.

am besten gefiel ihm mediengestalter und wir machten uns hoffnung, daß er das dann auch nach den sommerferien als ausbildung machen würde. ich erfuhr aber kurz vor den sommerferien, als sie mich zu einer abschlußfeier einluden, daß M sich nicht entwickelt habe und die vorbereitung noch ein ganzes jahr dauern würde, in der hoffnung er "kriege die kurve bis dahin".

nach den sommerferien durfte er aber nicht mehr bei den mediengestalter, sondern irgendwas mit wirtschaft. etwas was ihm gar keinen spass mache und er auch nicht verstehen konnte, warum man ihn erst ein beruf aussuchen ließe um ihn dann doch woanders hinzu tun.

zur gleichen zeit, entschied sein betreuer ohne mich vorher zu informieren, daß M seine medis selbstständig einnehemen soll. das funktioniert nicht 100% bei ihm. auf jeden fall nahm er seine medis aus seiner dosette, bis sie leer war. dann wollte er sich nachschub holen und weil die med. abt. schon geschlossen hatte, wurde er von seinem betreuer angefahren, er möge gefälligst vorher daran denken.

so ist es passiert, daß er ein paar tage später einen epileptischen anfall bekam. er war bis dato 3 1/2 jahre anfallsfrei. er bat nach dem anfall, als er einigermaßen zu sich kam, man möge den arzt rufen, denn so haben wir das zuhause immer gemacht. nach dem anfall so bald wie möglich zum arzt.

man verweigerte dies. ich rief an und bat nochmals darum, man möge den arzt informieren. der betreuer sagte, es wäre schon spät und jetzt kommt keiner mehr. als ich dann bat, spätestens am nächsten morgen M gleich dem arzt vorzustellen, faselte der betreuer wieder was von "so schnell bekommt man hier keinen termin" und so.

und ich solle doch mit ihm am WE wenn er heimkommt zum arzt gehen. (er kommt freitags abends um 19 uhr an und fährt sonntag wieder um 14 uhr los.) ich leide immer noch sehr darunter, daß ich so schockiert war, daß ich nicht fähig war zu handeln. ich hätte SELBST ein notarzt hinschicken müssen. ich fühle mich so schuldig.

als ich mich am nächsten tag von diesem schock erholt habe, rief ich in bitburg an und erkundigte mich beim med. dienst, beim psychologen und beim neurologen, was da schief gelaufen sei. ich erfuhr, daß er eine überwachte medikamenteneinnahme habe. seltsam, nicht?

ich weiß, daß mein kind schwierig ist, aber das geht zu weit. ich schrieb also seinen betreuer einen brief, wo ich ihm nochmals alles erklärte, den anfallsfahrplan in noch größeren buchstaben und ein paar infoblätter über epileptiker und ADHS-ler.

ich konnte mich aber noch immer nicht beruhigen und wollte zum betreungsleiter gehen. M meinte aber, "lass gut sein, mein betreuer geht jetzt etwas respektvoller mit mir um".

dann platzte mir aber dennoch der kragen, als das arbeitsamt uns schrieb, daß er 3 tage unentschuldigt gefehlt habe. nach diesem anfall, gingen wir natürlich hier zuhause zur untersuchung und weil man ihm nicht die möglichkeit dort zu erhohlung ließ, schrieb der arzt ihm krank.

wir meldeten ihn gleich krank und als er wieder hochfuhr gab er die karnkmeldung am gleichen abend ab. nach 2 wochen erfahre ich erst, daß sein betreuer die krankmeldung nicht an sich nehmen wollte, er möge sie gefälligst selber abgeben. auf jeden fall war die krankmeldung verschwunden.

entschuldige, daß ich so ausführlich berichte, aber ich wollte daß du dir in etwa ein bild machen kannst, wie alles gelaufen ist. ich habe nämlich das gefühl, daß sie ihn loswerden wollen. ach ja, ich schrieb dem arbeitsamt alles haargenau, was alles vorgefallen ist und schickte auch eine kopie an den leiter des berufsbildungswerkes.

so war das. heute war ich bei einem vortrag über epilepsie und habe dort im kurzen geschildert, daß M jetzt in die psychiatrie müsse. alle waren empört. der vorsitzenden des epilepsie-verbandes bot mir an, ich möge mir einen termin bei ihm machen und all meine unterlagen vorbeibringen.

das war die tragische geschichte einer verkorksten berufsausbildung....

p-s- dein bild ist sehr schön. ich finde das supergut, was du machst.

liebe grüße und eine gute nacht
Ingrid
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Beatrice
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Beitragvon Beatrice » 28. November 2009, 00:26

Liebe Ingrid

So, wie Du das beschreibst, tönt es wie ein endloser Spiessrutenlauf gegen total verhärtete Fronten. Gut möglich, dass die ihn abstossen möchten.

Es ist gut, dass Du das aufgeschrieben hast und damit deutlich machst, was für Zustände herrschen.
Vielleicht ist es sogar gut, dass er da raus kommt, denn es tönt, als seien dort nicht alle wirklich kompetent.
Wenn ich allein an die Situation denke, dass man ihm die nicht ganz einfache Medikamentenverabreichung überliess, wo er doch an sich eine Verodnung auf Begleitung dabei hatte.

Und dass man nach dem epileptischen Anfall nicht per sofort von der Stätte aus den Arzt rief, noch dazu da Matthias ja selber darum bat, das finde ich die absolute Höhe und ein Zeichen fataler Ignoranz und Fehleinschätzung.

Dass Du es nicht getan hast und den Notarzt riefst, weisst Du, das kann in der Nervosität und Aufgebrachtheit über die Reaktionen der Leute vom Heim tatsächlich untergehen. Wenn man so fassungslos ist, ist man oft auch fast wie gelähmt, bzw. blockiert - da fällt einem das Wichtige vorerst gar nicht ein, es rotiert im Kopf und fragt und zweifelt. Du konntest in dem Moment keinen kühlen Kopf bewahren, wir sind nun mal Menschen und keine Computer, die auf Kommando runtergefahren werden können, Du bist keine Rabenmutter deswegen, im Gegenteil, Dein Herzblut war voll mit drin und alles in Wallung.

Das ist, in Bildern gesprochen, wie ein Schiff, das in Seenot kommt. Selbst wenn ein Gedanke aufkommt, den Anker zu werfen, wird es lange dauern, bis das geht, denn wenn es so schwankt, wird niemand den Halt, den er irgendwo noch gefunden hat, aufgeben um zum Anker zu laufen, ganz abgesehen davon, dass man vor lauter Aufruhr zu sehr zittert, um es wirksam auszuwerfen.
Das siehst Du auch, wenn sonst Notfälle passieren, dass Leute falsche Telefonnummern wählen, die eigene plötzlich nicht mehr wissen und einfach vollkommen durcheinander sind.

Bitte quäle Dich damit nicht mehr, versuch Dir zu vergeben, bzw. Dir selber Verständnis entgegen zu bringen, so wie Du es sonst für andere tust.

Bezüglich der Persönlickeitsstörungen von Matthias denke ich, zum einen ist das bei so Burschen, auch bei sogenannt gesunden, sehr typisch, dass sie sich nicht so öffnen, zum anderen, wer von uns wird schon gerne ausgehorcht? Wenn er sowieso schon eher reserviert ist, bringt es kaum etwas, noch zu bohren - das führt nur noch mehr zu Rückzug. Dass er dann etwas "in den Bart brummelt" könnte ein Zeichen sein, dass er sich auch nicht getraut zu sagen, sie sollen ihn doch in Ruhe lassen. Irgendwie blendet er die Anwesenheit der Frager einfach aus, indem er den Kopf senkt (ein Zeichen von Verlegenheit, Unsicherheit und wenig Selbstvertrauen) macht er sich klein und zieht sich ganz in sich selbst zurück.
Könnte es sein, dass er sich bei dem Therapeuten auch einfach gar nicht wohl fühlt, dass es nicht sein Typ ist?
Das ist in jeder Psychotherapie etwas vom Wichtigsten überhaupt, dass sich Klient und Therapeut gegenseitig sympathisch sind. Nicht in Richtung Liebe oder Freundschaft, aber einfach eine Art Sympathie, die es ermöglicht, Vertrauen zu fassen.

Schön, und für ihn immens wichtig finde ich, dass er eine Freundin hat. Ich hoffe, es ist eine Freundschaft, die Du unterstützen kannst. Ein Mensch, der einem annimmt und liebt, das kann das Selbstvertrauen stärken. Und wenn das ein fremder Mensch ist, ist das was anderes, als die eigene Mutter, die einen immer liebt (bis eine Mutter einem die Liebe kündigt, muss man sehr viel anstellen). Eine fremde, junge Frau, die ihn aber gern hat, das ist einfach was ganz anderes und das kann beflügeln, wenn es eine solide Person ist. Das hoffe ich sehr. (Du weisst schon, keine Süchte, keine Kriminalität - die eine in sich unsichere Person mit sich in den Abgrund ziehen würden) Dass er eine Freundin hat, das wertet ihn auf. Er ist jemandem etwas wert - das kann einem sehr helfen, das zu wissen und zu fühlen.
Diese Aussage von ihm, dass er bereits wisse, dass er scheitere, daher getraue er sich nicht – das zeugt von mehrfach erlittenen Misserfolgen und NULL Selbstvertrauen. Es bestärkt mich nur noch darin, dass er einfach einen Ort braucht, wo er Top ist, wo er Schwierigkeiten überwinden lernt.

Oder, wo er einem andern, der schwächer ist, auf die Sprünge helfen kann. Viele tun sich schwer mit Rechtschreiben oder Rechnen und haben Nachhilfebedarf. Wenn er so einen Nachhilfeschüler bekommen könnte, ganz privat, er jemandem etwas beibringen könnte - auch das kann das Vertrauen zu sich selbst stärken

Ich denke aber auch, so eine Praxisfirma wie er sie besucht, bzw. die dortigen Betreuer müssten ihm signalisieren, dass man Fehler machen darf und dass man daraus lernen kann. Es darf schiefgehen, dann wird man angeleitet, wie es besser gelingt und versucht es nochmals.
Jeder Seiltänzer macht das so, jeder Lehrling in jeder Branche. Er muss nicht sofort perfekt sein, es ist ein Lernprozess.

Möglicherweise ist er nicht sehr kritikfähig, wertet den Versuch eines andern, etwas zu korrigieren und zu einer Verbesserung im Prozess anzuleiten, als persönlichen Angriff.
Solche Menschen haben es schwer in jedem Lernprozess, statt Danke zu sagen für die gutgemeinte Unterstützung sind sie gekränkt und gehen auf Rückzug.
Solche Menschen indes gibt es viele, auch und besonders bei „Normalos“

Gell, ich stelle nur Überlegungen an, es muss nicht sein, dass ich recht habe. Ich mache mir einfach Gedanken, und versuche mich einzufühlen.

Wie steht Matthias denn zu Tieren, z.B. zu Pferden? Die Hippotherapie fördert sowohl motorische Fähigkeiten, macht umgänglicher und verschafft Erfolgserlebnisse, die einem nicht einfach so zufallen, sondern an denen man arbeiten muss, bzw. darf.

Niemand will mit seinem Pferd am selben Punkt stehen bleiben und darauf warten, was passiert, man will es bewegen, mit ihm vorwärtskommen. Dabei braucht es ein Zusammenspiel und auch wieder Vertrauen. Vielleicht wäre das was.
Idealfall, wenn auch seine Freundin noch Pferdenärrin wäre.

Man kann in den Therapeutischen Reiterhöfen auch schnuppern gehen.

Etwas anderes, was sich bewährt hat in Sachen Selbstvertrauen geben, ist Klettern. Es gibt Kletterhallen und auch das macht man nicht allein, sondern hat einen Führer.

Ich denke, diese drei Berufsrichtungen wären bestimmt interessant, die sie da für ihn herausgesucht haben – mich würde sehr interessieren, warum sie ihn da plötzlich in die Wirtschaft hinübernahmen.
Sollte das als Strafe gedacht sein, weil er sich nach ihrem Ermessen nicht genügend anstrengt?
Strafen haben selten motivierenden Charakter. Statt solche Massnahmen zu ergreifen, hätte ich ihm eher einen Anreiz gesetzt, auf den er selber hinarbeiten könnte. Je eher er es erreichen möchte, umso eher wird er „vorwärtsmachen“.
Was das sein könnte, ohne ihn mit Süssigkeiten zu locken wie ein kleines Kind, das kann nur vor Ort entschieden werden. Das Wichtigste darin ist es, dass er ein Ziel hat und es formulieren kann. Evtl. kann er es bildlich darstellen, wenn ja, könnte man das Bildchen rahmen oder ein Poster draus machen, das er in seinem Zimmer an die Wand hängt – damit er es nicht mehr aus den Augen verliert und jederzeit daran erinnert wird.
Hin und wieder hat jeder einen Durchhänger, dann ist es wichtig, dass man das Ziel wieder vor sich hat.

Mit Mathe, Rechtschreibung und Logischem Denken hat er schon ganz ordentliche Voraussetzungen, die sich gewiss irgendwo erfolgreich einbringen lassen. Das sind wertvolle Eigenschaften, ist er sich dessen bewusst?

In kann mir denken, dass er sich als minderwertigen Menschen wahrnimmt aufgrund der Defizite, ich hatte das auch, bis mir einer klar gemacht hat, dass das Hadern mit den Defiziten nichts bringt – sie werden dadurch nicht weniger. Also arbeitet man an seinen Stärken, die können, wenn man übt, vielleicht noch grösser werden, einen noch weiter bringen, näher an ein realistisch gesetztes Ziel und vielleicht auch näher an einen fernen Traum

Es wäre schön, wenn auch meine heutigen Zeilen, Dir oder Matthias ein wenig weiterhelfen könnten

Ich sende Dir und auch Matthias, wenn er mitliest ganz liebe Grüsse

Bea
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Beitragvon Ingrid_57 » 28. November 2009, 02:04

liebe Bea,

es tut so gut, sich mit dir auszutauschen. schreibst du immer so viel und so lang?
also von meiner seite aus, muß ich dich vorwarnen. ich sprudele im moment über

vor energie. das kann aber auch bald wieder weniger werden. wenn ich ein problem

habe, dann falle ich erst in ein loch, dann wache ich auf, kämpfe wie eine wilde, bis

ich meine ziele erreicht habe, um mich dann wieder auszuruhen,

dornröschenschlaf. *lach* eine ex-kollegin nannte mich märchentante, weil ich in

der geburtsstadt der brüder grimm wohne. passt irgendwie.

ab nächste woche, gehe ich wieder arbeiten und dann kann ich nicht mehr so viele

stunden am pc verbringen. ich stehe um halb fünf auf und komme abends erst

gegen 18 uhr heim. aber was rede ich da? ich kenne es von einem anderen forum,

in dem ich schon fast 10 jahre schreibe, http://www.ads-hyperaktivitaet.de/ , daß

das schöne in solchen foren das ist, daß man akzeptiert und respektiert wird, wie

man eben ist. denn es kommen keine streithammel oder leute mit null problemen

dahin.

ich habe mich schon seit ein paar tagen damit abgefunden, daß es gut ist, daß er

von dort weg muß. die ersten tage, habe ich noch versucht, wie ich evtl. es mit hilfe

natürlich, bewerkstelligen kann, daß er doch dortbleiben kann. der grund war seine

freundin. er wurde sehr traurig, daß er wegmuß. aber ich denke, es ist besser so.

bei seiner freundin ist es auch nicht sicher, wie lange sie dort bleiben wird.

ich kenne sie noch nicht persönlich, habe sie auf fotos gesehen, ihre stimme

schon gehört. sie haben sich gesucht und gefunden. er klammerte aber zu sehr.

jetzt haben sie sich ausgesprochen und es funzt wieder. hoffe ich doch. das

verhältnis zwischen ihm und den therapeuten ist im moment nicht so doll. ganz

genau weiß ich nicht, wie es anfangs war. ich kann mir nur denken, anhand, wie er

antwortet, wenn ich frage "kommst du gut zurecht mit ihm? kannst du mit ihm über

alles reden, was dich bewegt?, u.s.w." daß es erst einigermaßen ging. aber , als

das mit der unterlassenen hilfeleistung seitens seines betreuers passiert ist, habe

ich irgendwie so leise von ihm vernommen "die stecken ja alle unter einer decke".

im moment hat er dort zu niemandem von den mitarbeitern mehr vertrauen.

ja, sein selbstvertrauen ist auf NULL. so sehe ich das auch. auch sein

sebstwertgefühl ist ganz unten. auch andere störungen, wie z.b. keine

selbstreflektionen sind schon seit langer zeit bei ihm gestört. ist es dann ein

wunder, daß er feingefühl für andere hat, wenn er mit sich selber keins hat? ich

habe das BBW von anfang an über seine störungen informiert und um therapie,

sowohl einzeln, als auch gruppe gebeten. nichts geschah. er ist seit okt 08 dort

und erst in august 09 hatte er das erste gespräch mit seinem psychologen (1/2

stunde-sitzung).

ich glaube schon, daß die mitarbeiter sich viel mühe mit ihm geben. aber meiner

meinung nach, wenden sie bei ihm die falsche methode an. sie übersehen seine

probleme mit ads und der epilepsie und das wirken der antiepileptika. ich bin jetzt

auch nicht mehr böse auf die. mir tut es nur leid, daß alles erst jetzt deutlich wird

und nicht schon nach den ersten drei monaten. die hätten uns gleich sagen

können "nee, M ist ein zu komplexer fall, dafür haben wir nicht die möglichkeit, um

auf ihn speziell mit seinen problemen einzugehen." deswegen ist das alles so

komisch. erst nach dem anfall und speziell, nachdem ich das arb.amt informiert

habe, was geschehen ist, ist er plötzlich fehl am platz.

<<Möglicherweise ist er nicht sehr kritikfähig, wertet den Versuch eines andern,

etwas zu korrigieren und zu einer Verbesserung im Prozess anzuleiten, als

persönlichen Angriff.
Solche Menschen haben es schwer in jedem Lernprozess, statt Danke zu sagen

für die gutgemeinte Unterstützung sind sie gekränkt und gehen auf Rückzug.
Solche Menschen indes gibt es viele, auch und besonders bei „Normalos“ >>

ja, genau! ich habe heute eine bekannte psychologin, die in ADS superfit ist (fr

Cordula Neuhaus aus Esslingen) um rat gebeten, denn M erhält einen schriftlichen

verweis (teilte mir gestern sein psychologe mit), weil er einem betreuer gesagt hat

"wenn sie noch weiterleben wollen, nennen sie mich nicht 'ein egoist'". das ist sehr

schlimm, ich weiß, aber ich habe M im ruhigen ton gefargt, was vorgefallen sei und

dann wundert es mich nicht, daß er so ausgerastet ist. wenn du magst und es dir

nicht zu viel wird, kann ich dir den ablauf niederschreiben. brauche nur den text aus

der mail, den ich an fr Neuhaus gesendet habe zu kopieren.

auf jeden fall sagte sie mir, ich solle folgendes dem betreuer sagen:
-Matthias (ADS-ler allgemein) KANN die Perspektive NICHT wechseln.
-Mit einer schroffen Zurechtweisung was SEIN Gefühl betrifft:
"DAS GEHT GAR NICHT ! ! ! "

ist doch genau das, was du oben auch gesehen hast. und sie hat mir auch eine

buchempfehlung genannt und gesagt "geben sie das buch den betreuern zum

lesen". sicher, die sache ist gelaufen, aber M legt reagiert zur zeit mit

oppositionellem verhalten auf fast alles, was die mitarbeiter dort von ihm erwarten.
und ich mache mir sorgen. ich möchte, daß er die zeit bis feb 10 dort ohne große

reibereien verbringt. das bringt keinen weiter. ich sagte ihm auch, wenn er den ball

nicht flach halten kann, dann soll er sich krankschreiben lassen, bevor er seelisch

ganz kaputt geht. solange aber kein mitarbeiter in der nähe ist, geht es ihm sehr

gut. er hat ja seine freundin. aber würden deine alarmglocken als mutter nicht auch

schlagen, wenn dein kind plötzlich, trotz im siebtem himmel dich bittet "mama, ruf

mich bitte zur zeit tgl.an" ? wo es bis vor kurzem so war, daß ich nur einmal die

woche anrief.

M und die tiere... er mag tiere sehr gerne. zuhause haben meine "bigfamily"

(mama, 2 brüder mit frau und kinder), die in der nachbarschaft wohnen eine katze,

die er sehr, sehr mag, aber es nicht lassen kann, sie so lange hin- und

herzuschieben, bis sie knurrt und krazt. so ist er halt. er hat sowas, wie ein zwang.

je mehr sein gehirn sagt "tu das nicht", um so mehr reizt es ihn.
mit pferden hatte er eine therapie gemacht, als er in einer klinik vor ca 4 jahren war.

da es ihm so gutgetan hatte, fand ich in unserer nähe eine ärztin, die sowas auch

anbot. allerdings riet sie uns davon ab. besser wäre für ihn eine gruppentherapie.

wartezeit ca 1/2 jahr. nach 2 jahren, gab es noch immer keine gruppe. egal. so und

so ähnlich ist es uns oft im leben gegangen. immer wenn wir dachten, jetzt

kommen wir ran an den speck, bekamen wir nur das ende der wurst zu fassen.

aber ein teil vom ganzen ist besser als gar nichts, oder? die freundin hat auch

katzen. klettern hört sich gut an. glaube mir, zuhause hätte ich mehr

möglichkeiten, ihm zu helfen. aber dort oben? aber zuhause hatte er nicht sooo

große probleme.

den grund, warum sie ihn in die abt wirtschaft und verwaltung II für ein ganzes jahr

steckten, verstehe ich auch nicht. er noch weniger. das ist etwas, was mir auch

nicht gefällt. über entscheidungen informierte man mich zu wenig, wenn überhaupt.
angeblich, gab es bei der mediengestaltung keinen freien platz. genau! sie

bestrafen ihn mit diktatorischen methoden und beschweren sich dann, daß er zu

wenig leistung zeigt. das alles hat für mich schon mobbing-charakter. und glaube

mir bea, ich habe seit tagen angefangen, mir alles zu notieren, was ich an dem

abschlußgespräch alles fragen werde. ich bereite mich jetzt schon innerlich darauf

vor, cool zu bleiben, sachlich. das ist mir wichtig.

<<Mit Mathe, Rechtschreibung und Logischem Denken hat er schon ganz

ordentliche Voraussetzungen, die sich gewiss irgendwo erfolgreich einbringen

lassen. Das sind wertvolle Eigenschaften, ist er sich dessen bewusst? >>

klar! und er ist auch mächtig stolz darauf. aber was für eine niederlage muß das für

einen jungen menschen sein, wenn das außer von der mutter und dem hiesigen

arzt niemand interessiert? deswegen ließen sie ihn auch die 3 berufe erproben. und

nur weil er "anders", jedoch nicht schlechter, als die "normalos" arbeitet und lernt,

lehnen sie ihn ab?

<<In kann mir denken, dass er sich als minderwertigen Menschen wahrnimmt

aufgrund der Defizite, ich hatte das auch, bis mir einer klar gemacht hat, dass das

Hadern mit den Defiziten nichts bringt – sie werden dadurch nicht weniger. Also

arbeitet man an seinen Stärken, die können, wenn man übt, vielleicht noch grösser

werden, einen noch weiter bringen, näher an ein realistisch gesetztes Ziel und

vielleicht auch näher an einen fernen Traum >>

ach, bea! wie oft habe ich ihm das einzutrichtern versucht. wenn ich seine stärken

gelobt habe, sagte er oft "mama, das sagst du nur, weil du mich liebst. was bringt

mir das alles, wenn ich dadurch auch nicht vorwärtskomme?"

so, das war's erst mal.

auf dem foto bist du mit eienm kind abgebildet. hast du eines? wie alt ist es?
bisher habe ich nur über mich und meine probs geredet. wenn du magst, erzähl

etwas mehr von dir.

wünsche dir eine gute nacht
LG
Ingrid
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Beatrice
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Beitragvon Beatrice » 1. Dezember 2009, 18:44

Liebe Ingrid

Danke für Dein Vertrauen und das Kompliment.

Für den grossen Teil meiner Vorgeschichte kann ich Dich auf meinen Vorstellungsthread verweisen, dort kannst Du nachlesen:
http://www.dasanderekind.ch/phpBB2/viewtopic.php?t=233

Der dortige Austausch mit Daniela endet bei meiner Absicht, nochmals in der Sehbehindertenhilfe Basel schnuppern zu gehen.
http://www.sbh-basel.ch/
Dies habe ich im September 2006 gemacht und auf den 30.Oktober 2006 bin ich dort als Schülerin aufgenommen worden. Eine ähnliche Sache, wie es Matthias macht, nur dass die SBH eigentlich nur auf einen Job im Büro vorbereitet und Eigungstests dafür hat.
Diese Tests habe ich alle mit Bravour bestanden - der Haken ist, dass ich mir für mich keinen reinen Bürojob vorstellen kann. Auch die Lehrer an der Schule gaben das schriftlich, dass ich eigentlich jemand bin, der mit Menschen müsste arbeiten können. Die IV (unsere marode Invalidenversicherung) aber hat das gar nicht interessiert - es gäbe nur Büro für mich oder die Behindertenwerkstatt. Der medizinische Masseur, der sonst noch für Sehbehinderte geeignet ist, war bei mir unmöglich, da ich wegen dem CP kein Gefühl auf der Haut habe und die Hände eher schlecht koordinieren kann.
Seit Frühjahr 2008 bin ich nun an einer Handelsschule, habe in den sauren Bürojob-Apfel gebissen, in der Hoffnung, dass die Faszination für diese Tätigkeit mit der Zeit noch in mir wachsen würde. Aber um ehrlich zu sein, da wächst nichts ausser zunehmende Angst vor diesem neuen Job, der mir so gegen alles geht, was ich je gewollt habe.
Doch ich sehe schon, dass alle anderen Tätigkeiten bessere Augen bräuchten, als ich sie nun mal habe. Ich weiss auch, dass viele behinderte Menschen sich einen Job im Büro wünschen und dafür von der IV nicht zugelassen werden, weil man denkt, sie schafften es intelligenzmässig nicht.
Bei mir ist die Intelligenz da, ich bin da ja auch froh drum, aber das Herz schlägt einfach nicht für einen dauerhaft sitzenden Beruf immer am PC.
Eher ginge ich Abfall sammeln (wirklich), als die ganze Zeit in einem Büro zu hocken, für Chefs irgendwelches Zeugs einzutippen usw. Gerne ginge ich auch an eine heilpädagogische Schule, um dort vereinzelten Kindern etwas genauer zu erklären und ihre Bezugsperson zu sein. Sowas würde mir gefallen. Aber das gibt es nur im Ehrenamt.
Ich erfahre es also am eigenen Leib, wie das ist, wenn man einfach irgendwo hingezwängt wird.
Dann kommt dazu, dass diese IV zwar die Umschulung finanziert, aber klemmt, wenn es um die Wiedereingliederung im praktischen Sinn geht. Da erfährt man keine Hilfe, keine Unterstützung. Es gibt keine Tipps und nichts. Schon die Praktikumsstellensuche gestaltet sich, in der derzeitigen Wirtschaftslage noch mehr, als einziges Desaster.

Ich habe die IV um eine Wegleitung, einen Leitfaden angefragt der behilflich sein könnte für die Stellensuche. Sie haben NICHTS. Für Deutschland gibt es ein tolles Buch: "Azubi mit Handicap" (leider habt Ihr so viele andere Gesetze als wir, dass ich damit hier nicht weiterkomme)
Unsere IV, die sich auch hier im Forum bei den Eltern sehr unbeliebt macht, da sie wichtige Hilfsmittel für die Kids aus Spargründen nicht mehr zahlt,
diese IV hat vor 3 Wochen eine Plakataktion lanciert, für die sie nun zu Recht von Behindertenverbänden eingeklagt wird.

"BEHINDERTE LIEGEN UNS NUR AUF DER TASCHE"
"BEHINDERTE SIND DAUERND KRANK"

Solche provokanten Sprüche in grossen Buchstaben prangten da auf den Plakaten, die ohne Absender genau da hingen, wo täglich eine grosse Meute Leute vorbeikommt.
Alle Aussagen mit einem Punkt versehen.Alle, die in Foren schreiben, wissen, dass solche Grossbuchstabentexte als aggressiv gelten und einen Verweis nach sich ziehen.

Vor dem Hintergrund einer passiven IV wäre ich bereit gewesen, Plakatvandalismus zu begehen und hatte vor, eigenhändig darunter zu schreiben, dass Behinderte nur dann andern auf der Tasche liegen, wenn man sie nicht arbeiten lässt.
Das hat die IV dann aber zwei Tage später selber gemacht, in roten Buchstaben, kleinere Schrift.

Jetzt ist diese Plakataktion abgebrochen worden, die IV hat dafür jede Menge Kohle verlocht, die dann wieder dort fehlt, wo sie wirklich gebraucht würde. Hätten sie doch stattdessen den Leitfaden publiziert, auf den ich und viele andere behinderte arbeitswillige Leute bis heute vergeblich warten.

Du siehst, ich habe eigene Erfahrungen in ähnlicher Richtung wie Matthias, nur bin ich schon etwas älter (Jg. 1967). Leichter wird es dadurch nicht und Du kannst mir glauben, dass ich auch schon gerne mal gegen diese“ Fritzen“ eine Drohung wie Matthias ausgesprochen hätte, im Sinne von "Passen Sie mal auf, wenn ich mit gleichen Mitteln zurückgebe, wie Sie austeilen, können Sie nicht nur Ihre Nase sondern Ihre gesamten Gebeine im Taschentuch nach Hause tragen!"

Es ist schlimm, wie einem die kommen können und Du musst noch Danke sagen dafür, weil es bekannt ist, dass wenn man sich gegen diese Leute auflehnt, sie einem noch mehr Schlimmes und Ungewolltes antun können.

Es ist wohl Matthias Glück, dass er noch minderjährig ist bezüglich seiner Drohung, aber ich verstehe ihn voll und ganz. Und gell, wenn ich einem Egoist austeile, das ist nie eine gut gemeinte Kritik, das ist immer ein Angriff gegen die Person.

Es mag für den Betreuer so aussehen, als sei Matthias, der sich da verweigert mitzumachen, ein eigennütziger Egoist - gewiss.
Aber genauso gut kann es sein, dass Matthias einfach müde ist zu kämpfen, gegen Mauern anzurennen, dass er im Moment einfach flügellahm und erschöpft ist und aus diesem Grund nichts mehr macht.
Von aussen sieht man in Gottes Namen immer nur das Äussere, für das, was innen ist, braucht es mehr als die Augen, viel mehr.

Ich bin, wie Du siehst, auch nicht von der schreibfaulen Sorte, im Gegenteil. Wenn es mit der Praktikumsstelle nicht klappt, schreibe ich wieder ein Buch. Ich habe schon eines geschrieben, doch die Verlagssuche ist ein Krampf, jetzt noch mehr. Aber alle aus dem Umfeld meinen, ich sollte schriftstellerisch tätig werden, würde mir ja auch gefallen, doch ist dies ein brotloser Job, meistens und von irgendwoher muss ja das Geld zum Leben kommen.
Nun ja, es kommt ja eh, wie es kommen muss.

Das herzige Baby da auf dem Foto, das mehr Haare hat als ich, ist leider nicht meines. Ich denke auch, so hart das klingt, es ist besser, dass ich nicht noch ein Kind habe - es müsste in Armut aufwachsen, denn auch für die Erziehung eines Kindes genügt das Herz alleine nicht.
Ich hüte mal da, mal dort eines, habe auch auf der Kinderkrebsstation oft jene Kinder besucht, die ohne Eltern da waren oder deren Eltern keine Gelegenheit hatten, ihr Kind dauerhaft im Spital zu betreuen, habe nun einen 2jährigen Neffen, dessen Lieblingstante ich bin (neben Traktor war mein Name für ihn sein erstes Wort - bevor Papa und Mama dazukamen)
Aber ich sehe auch die Grenzen, jetzt schon, beim Hüten meines Neffen, wie ich gewisse Dinge delegieren muss an andere, weil ich es einfach nicht sehen kann. Treppen sind schon für mich alleine eine dolle Herausforderung und an fremden Orten nur mit dem Blindenstock unfallfrei zu schaffen. Da noch ein Kind sicher hinunterführen ist eine unmögliche Sache.
Und so ist es klar, dass ich weder in der Kinderbetreuung noch in der sehr geliebten Betreuung älterer Menschen meinen Platz verteidigen kann, weil einmal mehr das Herz alleine nicht genügt.

So hoffe ich, dass diese tolle Forum hier, noch viele Jahre überleben und leben wird, denn hier kann ich einen grossen Anteil von meiner Persönlichkeit mit einbringen, so wie ich es beruflich gerne getan hätte, aber leider vermutlich nicht umsetzen kann.

Gerade heute habe ich erfahren, dass ich wegen meinem Netzhautablösungsauge wieder ins Spital und operiert werden muss. Da dies das Auge ist, das sowieso kaum noch sieht, ist es aber nicht ganz so dramatisch, wie wenn es das linke, noch bessere betreffen würde. Trotzdem ist es ein Dämpfer.

Ich grüsse Dich und alle, die vielleicht noch mitlesen ganz herzlich

Bea
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Man sieht nur mit dem HERZEN gut.
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Raphael
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Beitragvon Raphael » 2. Dezember 2009, 21:03

Hallo zusammen

Bea hat bestimmt schon lange auf einen Beitrag von mir gewartet... denn eigentlich ist der schon längst überfällig.

Danke Bea, dass du so offen über dich geschrieben hast. Man liest leider ganz selten solche Texte von Dir. Ich glaube, es wäre vielleicht wieder mal Zeit, dass wir uns treffen. Auch wenn ich wenig Zeit hab... für das würde ich mir Zeit nehmen!!!

Ja, was mit behinderten in Institutionen so gemacht wird, ist manchmal schon übel. Ich habe da auch meine Erfahrungen. Ich habe mich als Jugendlicher allerdings derart in die Quere gestellt, dass ich als "Ausbildungsunfähig" gelte. Die IV wollte mich auch ein einen Bürojob eingliedern. Das passte aber absolut nicht zu mir. Ich bin in Rechtschreibung eine Banause, und arbeite bestimmt auch etwas langsamer, da ich feinmotorisch leichte schwierigkeiten habe. Ich wollte in die Informatik. Seit ich 18 bin, lebe ich als Sozialschmarotzer.

Ich könnte also den ganzen Tag Fernseh schauen, und nichts tun... Wenn ich dann Zeit dafür hätte. Das tönt jetzt blöd, aber es ist so. Mit manchem Buisness Fritz ist es einfacher einen Termin auszumachen als mit mir. Ich bin mittlerweile schon sieben Fach in einer Diplomarbeit erwähnt, und hier in der Umgebung gibt es kaum einen Bus oder ein Zug, auf dem ich niemand kenne. Der Grund dafür ist vermutlich, weil ich meinen eigenen Weg gehe, Behinderung hin oder her.

Ich arbeite mittlerweile längst in der Informatik, auch wenn momentan noch auf ehrenamtlicher Basis. Beim Projekt OpenOffice.org bin ich Quality Assurance Engineer, und im Vorstand des Schweizer Vereins. Meine Aufgabe ist es die Qualityt von OpenOffice.org (das duzende Millionen fach im Einsatz ist) sicher zu stellen. Natürlich nicht alleine. Das alles habe ich mir selbst beigebracht. Nur zum zeigen, wie krass sich "Fachleute" verschätzen können.

Aber Informatiker ist nicht mein Traumjob. Ich arbeite bei OpenOffice.org mit, weil ich der Gesellschaft die bezogenen Leistungen zurückgeben will. Gut, mir wäre es lieber, wenn mich jemand für die Entwicklung von OOo bezahlen würde. Das Geld vom Staat zu beziehen ist halt schon etwas degradierend.

Meine Stärke ist ganz klar den Umgang mit Menschen. Ich habe mehrere Jugendliche, die ich durch die schwierige Zeit der Pubertät helfe. Viele habe ich schon in stundenlangen Gesprächen durch Kriesen geschifft. Andere hab ich in den Sportverein geprügelt, weil ich ganz genau wusste, dass die dort hingehören, und wieder andere Coache ich beim Lehrstellen finden. Worte wie:

"Was Psychologen und Lehrer nicht geschafft haben, hast du fertig gebracht. Es ist wie wenn ich jetzt ein Teil von dir in mir mittrage... Vielen dank dafür"

oder

"Du hast mich gelernt, mich selbst zu sein"

zeigen mir, dass ich dabei vieles richtig mache.

Ich bin der Meinung dass wir unsere Behinderung nicht einfach so haben... Es hat einen Grund. Bei einigen ist es vielleicht auch nur der Grund, um anderen Menschen zu Helfen.

Bea: du bist meiner Meinung nach so ein Fall. Ich bewundere dich ja, dass du so beharrlich an deiner Büroausbildung bleibst, aber ich finde das nicht der beste Weg. Du verschleuderst dein ganzes Talent damit!!!! Willst du tatsächlich ein Leben lang Briefe schreiben????!!!!

Die Welt braucht Individualisten wie dich und mich und Matthias, lasst uns also überlegen WAS wir tun können, und nicht was wir nicht tun können. Alles andere ist verschleudertes Talent, verlorene Zeit und vernichtete Energie.

HELFT MIT UNSERE WELT ZU VERBESSERN
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Beitragvon Ingrid_57 » 5. Dezember 2009, 01:02

Hallo Bea, hallo Raphael,

habe eben zusammen mit M gelesen, was ihr geschrieben habt. also M hatte keine geduld, alles mitzulesen.
es hat ihm sehr gutgetan, zu lesen, dass er nicht alleine ist, daß er die hoffnung nicht aufgeben soll.

@Bea, ich werde nach dem WE noch ausführlicher antworten. er ist dieses WE zuhause und wir wollen uns auf das gespräch am 09.12.09 b. BBW gut vorbereiten. dein gedicht fand er sehr gut. danke.

@Raphael, dein letzter satz "Die Welt braucht Individualisten..." ist eibfach klasse- das ist bei uns sehr gut angekommen. den werde ich kopieren und an den spiegel im bad heften.

so, nun habe ich M etwas aufgebaut und wir freuen uns auf ein geruhsames WE.

ich wünsche euch beiden ebenso ein geruhsames, fröhliches wochenende
LG
Ingrid & Matthias
Ingrid_57
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Wohnort: Hanau-Hessen

Beitragvon Ingrid_57 » 6. Dezember 2009, 21:23

Liebe Bea,

es ist schon erstaunlich, was du alles schon mitgemacht hast und trotzdem so tapfer bleibst.
aber so ist's richtig! niemals aufgeben. aber wäre dies alles nicht leichter zu ertragen, wenn es mehr feinfühlicge menschen auf der welt gäbe? und für mich ist es selbstverständlich, daß ein erzieher, lehrer, pädagoge eine intensive schulung haben müßte über kinder mit behinderungen.

und nicht nur diese spezie mensch. sondern auch die "fritzen" die über behinderte entscheiden müssen. ideal wäre doch, wenn ein behinderter einen anderen behinderten helfen könnte. irgendwie zählt der mensch heutzutage nicht mehr viel. umso schöner ist es, wenn man wenigstens in foren gute menschen trifft.

ich habe mich heute früh wieder schrecklich aufgeregt, denn M hatte mir gesagt, daß man ihm sagte, er soll in die psychiatrie gehen für ein paar monate und danach kann er wieder zurück. oder in einem jahr.
das kommt bei mir wie verarsche an. ihm machen sie hoffnung und mir empfehlen sie andere BBW's.

ich hoffe, daß ich mich beruhige bis mittwoch. dann ist das gespräch dort in bitburg. bis heute früh war ich noch ganz ruhig und habe mich darauf vorbereitet cool und sachlich zu bleiben und fragen stellen, keine anklagen.
hoffentlich gelingt mir das noch. drück mir bitte die dauemen.

wünsche dir einen schönen sonntagabend
LG
Ingrid

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