Integration in Regelkindergarten gescheitert...

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tragos
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Integration in Regelkindergarten gescheitert...

Beitragvon tragos » 6. Mai 2010, 18:38

Hallo ihr lieben,

ich muss wieder mal schreiben und von unserem Misserfolg berichten. Also, falls ihr je ein Kind mit Behinderung habt, bitte nicht nach Goldach-SG ziehen!

Haben heute so einen Brief vom Schulrat erhalten, wo sie uns nach 1 stündigem Vorgespräch und mega vielen Abklärungen der Entwicklung unseres Sohnes mitteilen, dass es im Kanton St. Gallen genügend und gute Sonderschulen gibt, sowie deren Meinung nach die CP Schule für unseren Sohn. Sowie die Gemeinde auf unseren Sohn nicht vorbereitet ist.

Also, noch kurz zu unserem Sohn, er ist gemäss irgendwelcher Tests in 2 Stunden ca. 1 Jahr entwicklungsverzögert. Kann geführt Schritte machen, hat aber nun einen Rollstuhl bekommen wo er sich sehr gut und schnell fortbewegt. Wächst zweisprachig auf und kann beide unterscheiden, sprechen und verstehen. Ist seit Januar trocken und weiss genau was er will und was nicht. Aber natürlich das Handycap einer Cerbralen Bewegungsstörung besteht.

Sein Zwillingsbruder etwickelt sich "normal" und wurde zum örtlichen Kindergarten "zugelassen". In eine Klasse von 7 Kindergärtnern. Ja, und in diesem Kindergarten haben sie keinen Platz für ein Kind welches etwas mehr Förderung braucht. Obwohl von der CP-Schule sogar 3 Tage eine Praktikantin zur Verfügung gestellt wurde. Aber nein, Behinderte nicht erwünscht obwohl sie ihn noch nie gesehen haben! Keine versuchen, kein probieren, kein entgegenkommen, einfach abschieben...

Meine Gefühle sind momentan so etwas zwischen wut und mitleid für diese Leute die den Entscheid gefällt haben. Man weiss ja nie was einem im Leben allles erwartet oder passieren kann!?!

Für uns kommt nun mehr als zuvor eine integration in den Regelkindergarten mit seinem Zwillingsbruder in Frage.

Ich wäre wirklich froh, über berichte wo in der Schweiz in welchem Kanton in welcher Stadt/Gemeinde eine Integration möglich ist. Ist z. B. in Zürich eine Integration plicht? Wie siehts mit Luzern aus? Bin froh über jeden Tipp oder jede Adresse wo ich nachfragen könnte....

Liebe Grüsse an alle
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Integration

Beitragvon Geborgenheit » 6. Mai 2010, 19:23

Hallo,

Also ich kann Dir folgendes berichten. Wir Wohnen in Zürich und unsere Tochter geht einmal pro Woche 2 stunden Integrativ in den Kindergarten. Begleitet wird Sie durch eine Lehrerin der Heilpädagogischen Schule. Es wäre nicht möglich sie alleine dort zu lassen. Unser Simone ist mehrfachbehindert. Sie kann nicht sprechen, laufen, pürietes Essen nimmt sie zu sich , wird aber zusätzlich künstlich ernährt durch einen Sonde. Ihr Etntwicklungsstand ist ca der eines 2-2.5 jährigem Mädchen. Wir mussen auch kämpfen doch als wir uns mit Simone dort vorgestellt haben haben wir einen probelauf gestartet. Das war vor bald zwei Jahren und Simone ist immer noch dort. Es geht sehr gut. Alle KInder lehrnen voneinander und das ist gut so. Ich hoffe das es für euch doch noch einen weg gibt . Ich wünsche euch ganz viel Kraft.

Lg Sonja
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Beitragvon Beatrice » 6. Mai 2010, 21:41

Hoi Tragos

Es gibt da einen Zeitungsartikel, der die Integration eines Buben mit Down Syndrom im Quartierchindsgi von Goldach/SG thematisiert.
Evtl. kennst Du ja die Eltern, dann hilft vielleicht ein Kontakt

Zeitungsartikel über Tomas aus Goldach/SG, der mit dem Down Syndrom geboren wurde und nun den Quartierkindergarten mit den Gspänli aus der Nachbarschaft besucht, statt in die Sonderschule zu gehen

http://www.tagblatt.ch/lokales/rorschac ... 89,1366463


Und noch einige Erfahrungen von Eltern
http://www.mondweg.at/cms/front_content ... =120&m=&s=
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Beitragvon tragos » 6. Mai 2010, 23:01

Hallo Beatrice,

ich kenn den Fall von Thomas. Dieser Fällt ins Projekt vom Kanton St. Gallen. Ist aber nur ein Versuch und anscheinend wird dies der einzige und letzte Versuch bleiben. ...

Liebe Grüsse
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Beitragvon Beatrice » 7. Mai 2010, 21:26

Liebe Tragos

Es ist schlimm, wenn man einem Kind nicht mal die Chance geben will. So viele andere (nicht behinderte) Kinder bekommen bei Schwierigkeiten heute trotzdem die Chance, in einer normalen Schule weiter unterrichtet zu werden. Man gibt ihnen eine Chance, auch wenn sie Tyrannen sind, frech oder weiss nicht was sonst.

Mich wollte man seinerzeit auch lieber in die Blindenschule tun, aber meine Eltern haben es dann doch durchbekommen, mich in die reguläre Primar-und später Sekundarschule zu bringen. Es brauchte etwas Rücksicht und Vorausdenken der Lehrer und von mir so guten Einsatz wie möglich und eine vorzugsweise dickere Haut gegenüber Hänseleien (hatte ich nicht sofort, aber es ging irgendwie)
Aber ich bin froh, dass es gelungen ist, wenngleich ich zwischendurch nun auch recht gute Spezialschul-Erfahrungen gemacht habe (Hänseleien gab es dort nicht mehr, dafür eben fast zuviel Rücksicht auch auf einfach nur faule Mitschüler, die ihre Behinderung als Entschuldigung dafür nahmen dass sie schon wieder keine Hausaufgaben gemacht hatten.

Nach diesen Erfahrungen kann ich sagen, dass eine reguläre Schule einen mehr fördert, aber auch mehr fordert.

Aber das weisst Du sicher alles schon.

Mir ist noch Lars eingefallen. Er stammt auch der Schweiz und hat die Muskelerkrankung SMA.
Und er wurde sowohl im Kindergarten wie jetzt in der Primarschule integriert
http://www.antonsen.ch/Lars_files/zekaz ... .%2008.pdf

Lars wohnt im Aargau und seine Schule ist in 5642 Mühlau


Lars Eltern haben eine eigene Homepage und sind gerne bereit, weiterzuhelfen, wenn sie können.
Schreib einfach mal

http://www.antonsen.ch/Willkommen.html

In der Hoffnung, dass Dir das irgendwie weiterhilft grüsse ich Dich und die beiden Zwillingsbuben ganz herzlich

Bea
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Beitragvon chrigi » 9. Mai 2010, 22:00

Sali Tragos,

Ich weiss das bei meiner Nichte ein behindertes Kind zusammen mit seinem Geschwister im Kindergarten war. Das ist nun aber auch schon wieder 12 Jahre her. Das war überigens im Rorschacherberg.
Müsste mal bei meiner Schwester nachfragen. Aber auch bei uns in der Klasse war ein Mädchen mit Down Syndrom (ist mittlerweile auch schon wieder 30 Jahre her) und das war auch im Rorschacherberg.
Wir haben hier in Pfäffikon auch ein solches Projekt gehabt, da ist ein Mädchen mit Down Syndrom über mehrere Jahre mit einer Heilpädagogin durch Kindergarten- Unter- und Mittelstufe gegangen. Jetzt auf die 6. Klasse kam Sie zu wenig mit und die Belastung wurde zu gross, deswegen geht Sie nun seit letztem Sommer in die Heilpädagogische Schule.
Ich glaub es wäre weniger ein Problem wenn Du eine Kindergärtnerin findest, die bereit ist dieses Experiment zu wagen. Hier bei uns in der Gemeinde hättest Du mit sowas auch kaum Chancen. Aber gib die Hoffnung nicht auf, denn Du weisst die Hoffnung stirbt immer zuletzt.
Goldach kenn ich halt überhaupt nicht vom schulischen her, ich bin im Rorschacherberg aufgewachsen und kann nur über meine Schulzeit und das was ich durch meine Geschwister und ihre Kinder mitbekommen habe.

Ich drück Euch weiterhin die Daumen und wünsch Euch viel Glück, das Ihr eine Lösung findet, die für Euch alle stimmt.

Lg Christina
Wenn Gott eine Türe schliesst, dann öffnet er ein Fenster.
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Beitragvon Beatrice » 10. Mai 2010, 22:36

Hallo Tragos

Vielleicht findest Du hier noch etwas Literatur (leider gibt es nur Berichte deutscher Autoren dazu)
http://www.dasanderekind.ch/phpBB2/viewtopic.php?t=614

Jene Bücher von Hans-Peter Spanier sind alle in der insieme21 Bibliothek, auch Katherina und Tim kommt noch dorthin in Kürze

Liebe Grüsse

Bea
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Integration in den Kindergarten

Beitragvon Krümelchen » 11. Mai 2010, 10:00

Hallo Tragos

Ich verstehe das echt auch nicht. Wir sind ja keine 5km von euch entfernt und hier gehts doch auch. Bei Nadine wars ja sogar so, dass die Lehrer trotz der Empfehlung der Schulpsychologin (Nadine sollte in die Heilpädagogische Schule in Rorschach) bereit waren, unser Mädchen hier in der Primarschule aufzunehmen. Die Klasse besteht aus 25 1.-3. Klässlern, also für eine Lehrerin sowieso schon eine Herausforderung. Aber es geht super, im nächsten Sommer darf Nadine in die 2. Klasse, muss also nicht wie angenommen (und geplant) die 1. Klasse in 2 Jahren machen. So viel zu den Tests unserer Schulpsychologen....
Auch in unserer Nachbargemeinde in Eggersriet funktioniert es mit der Integration von besonderen Kindern. Obwohl auch dort keine besonderen Massnahmen getroffen wurden. Ich begreif also nicht, wieso das bei euch nicht gehen sollte. Vieles ist halt auch Einstellungssache.

Zum Entwicklungsrückstand kann ich dir folgendes Sagen: Nadine (3.2002) haben wir ein Jahr später mit einem Entwicklungsrückstand von 1 Jahr - zum Teil 2 Jahren in den Regel-Kindergarten geschickt. Mittlerweile ist der Entwicklungsrückstand überhaupt kein Thema mehr, es gibt ja noch andere "normale" Kinder die ebenfalls ihre Macken haben.

Melde dich doch mal bei Procap (www.procap.ch) die können dir vielleicht auch noch helfen (haben auch Rechtsbeistände). Und Fragen kostet nichts.

Ich drück dir die Daumen!

Liebe Grüsse Letizia
Mami zweier toller Mädchen, Nadine (2002) geboren mit Oesophagusatresie, Duodenalatresie usw. (VACTERL) und unsere kleine Nina (2003) Kerngesund und meistens fröhlich ...
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Beitragvon tragos » 17. Mai 2010, 23:40

Liebe Letizia,

leider ist es wirklich so, so nah und doch so fern!

Der Schulpsychologe meinte es sei der "goodwill" der Gemeinde. Aber anscheinend ist es einfacher ein etwas "anderes Kind" sofort abzuschieben. Eine Chance oder Versuch gibts nicht! Es könnten ja noch andere auf die gleiche Idee wie wir kommen!!

Wir sind ziemlich vor den Kopf gestossen, ausserdem müssen wir jetzt eine Schulgemeinde finden welche unseren Sohn aufnehmen möchte.

SIND FROH ÜBER JEDEN TIPP FÜR EINE BEHINDERTEN-FREUNDLICHE GEMEINDE :)!

Liebe Grüsse nach Grub
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Beitragvon Beatrice » 1. Juni 2010, 21:56

Liebe Tragos

Gerade habe ich ein neues Buch/Heft hier im Forum empfehlen dürfen. Ich könnte es Dir abgeben (gratis), wenn Du es haben möchtest. Vielleicht findest Du darin wertvolle Tipps, denn es ist eine Schweizer Publikation.

Schreibe mir, wenn Du es haben möchtest, einfach eine PN mit Deiner Adresse (die ich selbstverständlich vertraulich behandeln und nicht an Dritte weitergeben werde)
Dann schicke ich es Dir.

PS: Meine Schwester arbeitet in Rebstein in der Primarschulgemeinde. Sie haben mehrere behinderte Kinder in den Regelklassen, da sie integrativ orientiert sind. Ich frage sie mal, ob auch Rollikinder dabei sind

Liebe Grüsse sendet Dir
Bea

RATGEBER UND ANALYSEN
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Titel: Eine Schule für alle - auch für Kinder im Rollstuhl?
Autor: Louis Lamontagne-Müller
Verlag : Edition SZH/CSPS, Dezember 2006
ISBN : 978-3-908262-80-0, Geheftet, 80 Seiten

Preisinfo : 21,20 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.

Erhältlich im Buchhandel

Beschreibung:
Behinderte Kinder, deren Beeinträchtigung sich auf ihre physischen Möglichkeiten beschränkt, haben einen Vorteil: Ihre intakten mentalen Fähigkeiten erlauben eine uneingeschränkte Schulbildung. Möchte man meinen. Beispiele der Integration von Kindern im Rollstuhl in Schweizer Primarschulen zeigen aber, dass dies oft nur unter erheblichen Schwierigkeiten möglich ist. Bauliche Hindernisse und Abwehrhaltungen von Lehrpersonen sind nur einige der Hürden. Und doch gelingt es immer wieder, solche Kinder trotz aller Widerstände erfolgreich zu integrieren und ihnen eine adäquate Schulbildung zu ermöglichen. Wie schaffen sie das bloss – die Eltern, die Kinder und jene, die der Integration positiv gegenüberstehen?

Der Autor hat betroffene Familien, Lehrpersonen und Schulleitungen befragt. Mit dem entstandenen Strategienkatalog möchte er Betroffenen und Interessierten ein Instrument in die Hände geben, das wertvolle Ansätze und Ideen liefert in einem Umfeld, in dem guter Rat oft schwierig zu finden ist.

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Beitragvon Beatrice » 10. Juni 2010, 13:49

Liebe Tragos

Auf der folgenden Seite findest Du ganz viele Integrations-Erfahrungen (gute und schlechte), zwar hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Down-Syndrom, aber vielleicht doch auch nützlich für Dich
http://forum.insieme21.ch/viewforum.php?f=12

Liebs Grüessli

Bea
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