Freunde finden

Hier könnt ihr Fragen zu den verschiedensten Bereichen, die Kinder mit Behinderungen betreffen, stellen. Einfach klicken, und los gehts :-)
Weiters freuen wir uns über Beiträge mit hilfreichen Tipps!
Sonj
Beiträge: 25
Registriert: 24. August 2008, 14:13
Wohnort: Zürich

Freunde finden

Beitragvon Sonj » 10. Februar 2011, 10:54

Salut

Bei unserem Sohn wurde eine einfache Aufmerksamkeitsstörung diagnostiziert. Er hat in bestimmten Sozialen Situationen auch Mühe, weil er zum Beispiel Kinder anrempelt und es nicht wahrnimmt oder mal anstatt Hallo zu sagen, einem Gspänli die Mütze vom Kopf nimmt. Unser Sohn jedoch sucht von sich aus den Kontakt zu anderen Kindern, ist gerne draussen. Wir lassen ihn vorwiegend seine "Probleme" zb auf dem Spielplatz oder Schulweg selber lösen, sofern das geht. Zuhause reflektieren wir bei Bedarf die Situationen.

Ich/ wir Eltern habe manchmal das Gefühl, die Situation ist für meinen Sohn gar nicht belastend, sondern eher für mich/ uns. Ich muss schauen, dass ich ihn machen lasse, damit er sein soziales Leben erlernen kann. Ich muss mich zurückhalten und auch lernen, sein Verhalten nicht überall rechtfertigen zu müssen. Ich muss richtig reagieren, wenn eine andere Mutter aufgelöst anruft mein Sohn habe das und das gemacht und Sie darauf hinweisen, dass es für Konflikte auch immer 2 braucht und Sie doch bitte mit Ihrem Kind in diesem Sinne reden soll und nicht bloss meinen Sohn beschuldigen etc.........

In unserer Situation bedeutet die grosse Aktivität unseres Sohnes u.a. (oder vielleicht sogar vor allem?) Arbeit an unserer eigenen Einstellung und Arbeit mit den "Eltern anderer Kinder".

Vielleicht könnt Ihr das nachvollziehen?

Vielleicht könnt Ihr euch durch meine wenigen Beiträge im Forum an meine Tochter erinnern, welche ohne Diagnose ist und sich mit 50% Geschw. entwickelt? Sie ist zusammen mit unserer jüngsten Tochter und meinem Mann auf einem mehrmonatigen Auslandaufenthalt und scheint durch die andere Umgebung recht stimuliert. Macht grosse Fortschritte =D>

Lg,
Sonja
Sonja mit Sohn (2003) und Töchtern (2006, 2009,2012)
Flavia
Site Admin
Beiträge: 988
Registriert: 6. Dezember 2004, 12:31
Wohnort: 8840 Einsiedeln
Kontaktdaten:

Re: Freunde finden

Beitragvon Flavia » 10. Februar 2011, 12:18

Hallo Sonja

Habe ich das richtig verstanden, dein Mann ist mit den beiden Mädchen im Ausland? Bin gerade etwas "paff" ;-)!
Reisen sie herum oder hat er Verwandte? Wo sind sie? Finde ich von euch allen bewundernswert!
Wie konntet ihr das eine Mädchen von der Schule nehmen? Gab das keine Probleme?

Ganz liebe Grüsse Flavia und wenn ich dir zu "gwundrig" bin überspringe diese Antwort einfach!!
Sonj
Beiträge: 25
Registriert: 24. August 2008, 14:13
Wohnort: Zürich

Auslandaufenthalt

Beitragvon Sonj » 10. Februar 2011, 15:17

Liebe Flavia

Mein Mann ist Doppelbürger, CH und Algerien.

Er ist mit unseren beiden Töchtern für ein paar Monate nach (Süd-) Algerien gegangen, hat ein Projekt am laufen. Unsere Tochter kann man von ihrer Besonderheit her super gut irgendwo hin mitnehmen, das sie ja aktuell keine medizinischen Probleme hat. Und da sie erst im Sommer in den HPS KIGA geht, kann sie dies auch noch ohne Probleme.......

Ja, bewundernswert ev. im Sinne von einander loslassen können, das ist schon ein zentrales Thema. Aber wir haben Übung darin, es geht also. Und die Familie von meinem Mann freut sich natürlich auch riesig über die beiden Nichten/ grosskinder, welche sie nun geniessen können.

Herzlichen Gruss,
Sonja
Sonja mit Sohn (2003) und Töchtern (2006, 2009,2012)
Flavia
Site Admin
Beiträge: 988
Registriert: 6. Dezember 2004, 12:31
Wohnort: 8840 Einsiedeln
Kontaktdaten:

Sonja:

Beitragvon Flavia » 10. Februar 2011, 20:54

Danke für deine Info. Das kann ich mir vorstellen dass deine Mädchen umschwärmt und umsorgt sind!! Ich kenne zwar Algerien nicht wirklich, denke aber dass da das Familiengefüge viel intensiver ist als bei uns.

Ja das loslassen stelle ich mir auch schwierig vor, aber im heutigen zeitalter wie skypen und mailen ist es bestimmt ein kleines bisschen einfacher als noch früher.

Auf jeden Fall wünsche ich euch eine kurzweilige Zeit und dass sich das Heimweh in Grenzen hält!

Ganz liebe Grüsse Flavia
Nelly
Beiträge: 2
Registriert: 17. November 2012, 19:18

Re: Freunde finden

Beitragvon Nelly » 18. November 2012, 21:49

Hallo!

Ich bin neu hier im Forum und möchte mich kurz vorstellen.
Ich heiße Daniela, bin 24 Jahre alt und durch eine Entzündung im Gehirn (Grippevirus Influenza B) seit meinem 10. Lebensjahr auf den Rollstuhl angewiesen.

Das meiste in meinem Leben hat sich nach dieser Krankheit verändert. So habe ich von meiner Volksschulzeit bevor ich krank wurde gar keine Freunde mehr.
Mit einer Behinderung ist es nicht einfach, Freunde zu finden - auch wenn man wie ich nur ein körperliches Handicap hat.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die von Geburt an mit einer Behinderung leben, meistens viel leichter damit klarkommen, "anders" zu sein. (Sorry, aber mir fällt gerade kein geeigneteres Wort ein!)

Ich zB hadere zu manchen Zeiten noch immer damit... WARUM musste ausgerechnet ich so schwer krank werden? WARUM habe ich so wenige Freunde? WARUM ist es so schwer für mich, eine Arbeitsstelle zu finden?.... Und solche Fragen stelle ich mir an "schlechten" Tagen genug. Das bringt dann das Fass zum Überlaufen, wenn sich auch noch irgendeine Behörde wegen z.B. einem Antrag querstellt. Oft fühle ich mich dann einfach nur einsam, obwohl ich die besten Eltern, den besten Bruder und den besten Assistenzhund auf der Welt habe. Aber oft wünsche ich mir dann auch eine Freundin, die mit mir redet oder einen Freund, der mich in den Arm nimmt.

Ich denke, es ist sowohl mit einem körperlichen als auch einem geistigen Handicap schwer, Freunde zu finden. Ich finde es schon bewunderswert, wie manche Menschen damit umgehen, keine oder wenige Freunde zu haben.

Oft gehen meine Eltern auch fort und ich bin alleine zuhause, weil ich äußerst selten jemanden zum Fortgehen habe. Manchmal lasse ich sie meinen Frust spüren - weil ich nicht anders kann. Weil ich oft einfach traurig bin, dass ich niemanden habe, der mit mir ausgehen würde. Es tut mir auch in dem Moment schon leid, aber ich kann ganz einfach nicht anders. Es gibt aber auch Tage, da bin ich einfach nur froh, abends gemütlich am Sofa zu chillen während sich meine Eltern wegen einer Tätigkeit im Verein... treffen. Da kann es gut sein, dass in mir Schadenfreude aufkommt.

Was ich vor kurzem an mir selber beobachtet habe... Ich bin durch meine Krankheit ein paar Jahre zu früh in die Welt der Erwachsenen reingeschubst worden. Ich konnte nicht anders. Gleichaltrige und auch meine Schulkollegen wollten nichts mehr mit mir zutun haben und ich war zunehmen unter Erwachsenen. Das fällt mir zunehmend auf den Kopf. Das heißt, dass ich mit Gleichaltrigen nicht so gut klarkomme. Das ist schade, aber ich kann nichts dagegen tun. Das hat sich erst durch meine Krankheit entwickelt und es ist nun mal so.

Es kann gut sein, dass euer Sohn die Situation super findet, so wie sie ist. Meine Eltern machen sich auch Gedanken um mich, wenn ich wieder mal ein paar Tage hatte, in denen ich einfach viel zu viel nachgedacht habe. Sie haben dann ein schlechtes Gewissen, wenn sie mich alleine lassen oder sie wollen mir manche Neuigkeiten, die sie beim Fortgehen über meine Cousine erfahren, nicht mit mir teilen, weil sie Angst haben, es könnte mich verletzen. Tut es vielleicht anfangs ein bisschen, aber schlussendlich hat mir meine Cousine leid getan. Denn es war unbestreitbar, dass sie nichts, aber rein gar nichts vom Leben verstanden hatte und ich AUF KEINEN FALL so sein wollte wie sie.

Es ist gut möglich, dass dir meine Antwort kein bisschen weiterhilft. Ich wollte einfach schildern, wie es mir in dieser Situation geht und wie ich das sehe.

Ich glaube, man kann hier als "Außenstehender" nicht viel raten, was man tun oder lassen soll. Es kommt ganz auf die Person drauf an. Ich denke, sobald du eine leichte Unzufriedenheit deines Sohnes spürst, würde ich ergründen, womit es zu tun hat oder ob er sich in Gesellschaft von anderen bzw. danach anders verhällt.

Liebe Grüße
Nelly
Meli76
Beiträge: 11
Registriert: 15. September 2012, 00:55

Re: Freunde finden

Beitragvon Meli76 » 19. November 2012, 10:07

Hallo Nelly
Warum du Vieleicht keine Freunde hast:
Ich glaube wenn du dich mal akzeptierst so wie du bist , dann können dich auch andere Menschen akzeptieren. Was meinst du dazu?
Ich selber bin auch durch einen Unfall auf den Rollstuhl angewiesen. Ich bin seit 13 Jahren verheiratet habe 2 Kids im alter von 12 Jahren und 9 Jahren. Mein neunjähriger Sohn hat juvenile idiopatische Arthritis sowie eine Ataktisch dyskinetische cerebralparese. Mein Sohn hat viele Freunde die ihn so akzeptieren wie er ist . Ich lebe es ihm auch so vor. Ich glaube wenn du nicht mehr mit deinem Schicksal "rumhaderst" sei mir nicht böse wenn ich es so Sage, dann können dich andere Menschen auch akzeptieren. Ich wünsche dir viel Glück dabei. So wirst du auch glücklich.
Flavia
Site Admin
Beiträge: 988
Registriert: 6. Dezember 2004, 12:31
Wohnort: 8840 Einsiedeln
Kontaktdaten:

Re: Freunde finden

Beitragvon Flavia » 19. November 2012, 20:47

Hallo Nelly

Wie sich anfühlt selber "anders" zu sei kann ich nicht sagen. Was ich mir aber auch vorstellen kann ist, dass es für ein Kind einfacher ist wenn es so auf die welt kommt. Es kennt nichts anderes.

Allerdings zeigen meine Erfahrungen auch dass es egal ist wieviele behinderte Kinder jemand hat, egal wieviel Schicksalsschläge jemand erlebt hat, egal wie "man" aussieht e.t.c es gibt in allen "Gruppen" Menschen die immer am jammern sind (ich meine jetzt nicht dich!) die immer traurig sind, die meinen ALLE haben es besser e.t.c und es gibt die die ihr Schicksal meistens annehmen können oder sich irgendwie damit auseinander setzen.
Es gehört für mich aber dazu dass man auch immer verschiedene Phasen hat. Die erste Gruppe die ich beschrieb ist für mich ein Teil vom ganzen Prozess, sollte aber nicht NUR sein.
Man sollte auch noch lachen können, sich freuen, zwischendurch zufreiden seine.t.c.

Ich hoffe du verstehst mich nicht falsch. Ich möchte damit aufzeigen dass man kein Pauschalurteil sagen kann sondern jeder anders mit seinem Schicksal umgeht.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft!

Bist du in irgendeiner Selbsthilfegruppe in ähnlichem Alter, oder gibt es das gar nicht? Vielleicht wäre der Austausch für dich auch hilfreich?
Ich bin zwar in einer ganz anderen Situaton, aber mir hilft der Austasuch enorm :-)!

Ganz liebe Grüsse Flavia

Zurück zu „Kinder mit Behinderungen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste