Behindertes Kind: Erfahrungen mit Behörden/Kirche?

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Beatrice
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Behindertes Kind: Erfahrungen mit Behörden/Kirche?

Beitragvon Beatrice » 19. Januar 2012, 22:53

Hoi zäme

vor wenigen Wochen führten wir hier im Forum unter "Freunde finden" auch einen Austausch darüber, wie die Erfahrungen von Eltern besonderer Kinder mit Behörden oder der Kirche sind, dies zum Beispiel hinsichtlich einer Erstkommunion oder Konfirmationsteilnahme.
viewtopic.php?f=4&t=1562

Im Beobachter von 1999 gab es einmal einen interessanten,aber auch erschütternden Artikel darüber und es wäre wohl interessant, wie die Erfahrungen der Eltern heute sind in diesem Zusammenhang. Ob es immer noch gleich, teils mies, gehandhabt wird oder doch Verbesserungen spürbar sind. Vielleicht habt Ihr Erlebnisse, Ratschläge oder Fragen, die Ihr in diesem Zusammenhang diskutieren möchtet


Gerne kopiere ich Euch hier den Artikel rein:

Wenn Behörden Kinder behindern

Text: Üsé Meyer

Ausgabe: 25/99

Das Gesetz verbietet die Ausgrenzung von Behinderten. Dennoch lassen einzelne Gemeinden behinderte Kinder links liegen – oder noch schlimmer: Sie «vergessen» sie einfach.

Darwin hätte schon vor einem Jahr die Kommunion erhalten sollen. Doch dazu wurde er nicht eingeladen. Und auch dieses Jahr ist er bei seinem ersten Abendmahl nur dabei, weil sich seine Eltern für ihn gewehrt haben.

Die Familie Amoruso wohnt in Möhlin AG. Darwin ist acht Jahre alt und hat eine leichte motorische und geistige Behinderung. Er kann lesen, er kann schreiben, nur halt etwas langsamer als die gleichaltrigen Kinder. Darwin besucht darum die Heilpädagogische Schule in Rheinfelden.

Als dieses Jahr von der Kirchgemeinde wieder keine Einladung für die Vorbereitung zur Kommunion eintraf, wurden die Eltern von Darwin aktiv. Nach einem längeren Telefongespräch mit dem Pfarramt von Möhlin versprach die Sekretärin, sie kläre ab, was man in Darwins Fall machen könne. «Die zögernde Reaktion der Kirche hat mich etwas erstaunt», erinnert sich seine Mutter. Das war Mitte September. Da bis Ende des Monats keine Nachricht im Briefkasten lag, schrieben die Amorusos an Gemeinderat und Kirchgemeinde.

Der Gemeinderat antwortete, er sei nicht zuständig. Man werde aber die Kirchgemeinde bitten, dem Wunsch der Familie entgegenzukommen. Mitte Oktober erhielt die Familie Amoruso von der Kirche eine Anzeige, dass Darwin für den Vorbereitungskurs eingetragen sei. Kein weiterer Kommentar, keine Entschuldigung.

Das Problem liege nicht bei der Kirche, sagt Hildi Kym, Katechetin und Sekretärin des Römisch-Katholischen Pfarramts von Möhlin. Weil Darwin nicht an seinem Wohnort in die Schule gehe, fehle er auf der Liste der Schulgemeinde. «In einem solchen Fall müssen sich die Eltern selber melden», sagt Hildi Kym etwas aufgebracht. Für sie sei das Thema erledigt, Darwin sei ja nun für die Kommunionsvorbereitung eingetragen.

Giuseppe Amoruso will den Behörden keine bewusste Diskriminierung unterstellen: «Die Verwaltung ist einfach schlecht organisiert», vermutet er. Bei der Gemeinde Möhlin nimmt man die Anliegen der Familie ernst: «Es trifft sicher zu, was die Eltern beanstanden», sagt Schulsekretärin Christine Grell. Die Schulpflege will jetzt alle Kinder in Möhlin, die in eine Sonder- oder Privatschule gehen, so erfassen, dass sie in Zukunft nicht mehr vergessen gehen.

«Sie versteht ja doch nichts»
So weit ist man in Münchwilen AG, nur zehn Kilometer rheinaufwärts, noch nicht. Dort wohnt Sandra. Auch sie hat eine Lernbehinderung. Sandra heisst in Wirklichkeit anders, aber ihrer Firmgotte Esther Hagen ist es lieber so: «Man muss aufpassen, dass Mutter und Kind nicht nochmals eins auf den Deckel kriegen.»

Auch Sandra sollte nicht gefirmt werden. Esther Hagen führte deshalb ein langes Telefongespräch mit dem zuständigen Seelsorger. Dieser meinte, mit Sandra könne man ja nicht richtig reden und sie verstehe wohl auch Sinn und Zweck der Firmung nicht. Vom Beobachter darauf angesprochen, mag sich der Seelsorger nicht mehr erinnern. Es sei eben schon lange her, sagt er entschuldigend.

Aber selbst der Gemeindepfarrer von Münchwilen räumt ein, dass viele behinderte Kinder tatsächlich «auf eine Art vergessen» gingen – weil sie ausserhalb des staatlichen Schulsystems laufen. «Man dürfte erwarten, dass die Eltern in einem solchen Fall selber aktiv werden», sagt er. Mit der Behinderung selbst habe das jedenfalls gar nichts zu tun.

Ein dritter Fall findet sich sechs Kilometer südlich von Münchwilen. Als Claudia volljährig wurde, ging sie zwar nicht vergessen, aber sie war an der Jungbürgerfeier in Wegenstetten nicht dabei. «Der Gemeindeammann fand, Claudia müsse man gar keine Einladung schicken», erzählt die Mutter, «Claudia verstehe ja doch nichts.»
Dabei kann man mit Claudia durchaus sprechen, und sie gibt Antwort. Der Familie wurde schliesslich der «Gegenwert» der Feier in bar ausbezahlt: Eines Tages lagen 80 Franken in einem Kuvert im Briefkasten. «Meine Tochter wäre lieber an die Feier gegangen», sagt Claudias Mutter.

Der damalige Gemeindeammann sieht das etwas anders. Er habe die Eltern gefragt, ob die Gemeinde Claudia einladen solle. Und der Vater habe dann selbst entschieden, dass es nichts bringe. «Was die Familie heute sagt, ist mir Wurst.» Damit ist die Sache für ihn erledigt.

Die Eltern haben Claudia mit den 80 Franken Bettwäsche gekauft – mit einem Pferdesujet, denn die junge Frau ist vernarrt in diese Tiere. Ihr Name wurde von der Redaktion geändert. «Ich will mit den Problemen nicht mehr konfrontiert werden», sagt die Mutter. «Ich habe aufgehört, mich zu wehren.»

Viele Eltern haben resigniert
Peter Wehrli kennt dieses Gefühl. Er ist Leiter des Zentrums für selbstbestimmtes Leben. «Die Ausgrenzung fängt so früh an, dass die Eltern sie irgendwann nicht mehr wahrnehmen», sagt Wehrli. Deshalb griffen die wenigsten Eltern zum Telefon, vermutet er. Ähnlich tönt es bei der Behindertenorganisation Pro Infirmis: «Viel wird einfach geschluckt», sagt Olga Manfredi.

Eltern behinderter Kinder bleibt nur eins: sich immer wieder wehren. Zwar steht in Artikel 8 der neuen Bundesverfassung: «Das Gesetz sieht Massnahmen zur Beseitigung von Benachteiligungen der Behinderten vor.» Die Realität sieht anders aus.

Quelle:
http://www.beobachter.ch/familie/sozial ... behindern/



Positiv zu erwähnen ist dagegen die Reformierte Kirchgemeinde Aarau. Sie vergisst behinderte Jugendliche nicht, weder auf der Homepage, noch real. Näheres dazu, auch Kontaktdaten unter:
http://www.ref-aarau.ch/jo/index.php?op ... &Itemid=76


siehe auch hier:
http://www.rehakids.de/phpBB2/ftopic44367.html
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Man sieht nur mit dem HERZEN gut.
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Re: Behindertes Kind: Erfahrungen mit Behörden/Kirche?

Beitragvon Geborgenheit » 20. Januar 2012, 18:58

Liebe Beatrice,

Hier unsere Erfahrung mit der Kirche.

Wir können nur Positives Berichten. Unsere Simone ist voll Integriert. Darf mit allen Kindern in die Sonntagsschule und sie freut sich immer darauf. Ist kein Thema das sie nicht darf. Klar gibt es sachen die nicht gehen aber das hat hat nicht den grund das die Kirche nicht will, sondern weil es wirklich nicht geht wegen der Behinderung. Wegen Konfiermation . Sie wird wie alle andern auch Konfermiert. Auch da gibt es keine Probleme.

Ich muss aber sagen das dies vor 15.Jahren nicht selbstverständlich war. Heute ist die Kirche weiter und ich finde diese Entwicklung sehr positiv.

Wir fühlen uns sehr wohl in unserer Gemeinde und werden auch akzeptiert.

Lg Sonja
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sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht
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Re: Behindertes Kind: Erfahrungen mit Behörden/Kirche?

Beitragvon moni73 » 22. Januar 2012, 12:51

liebe beatrice
wow das schockt mich etwas ,das sind doch lauter ausreden vergessen oder die kinder nehmen es nicht auf.wie wenn man nicht schon genug sorgen hätte.
also bei uns hat sich der pfarrer von unserer wohngemeinde gemeldet und olivia geht ja in einer anderen gemeinde in die schule.
er hat olivia sogar ein schönes glückwunschkärtli geschickt ,also wirklich sehr sehr schön.
ich kann sowas einfach nicht verstehen und es macht mich traurig .
klar ich wollte nicht dass olivia in unserer gemeinde in den komfunti geht,sie kennt ja niemanden und sie kann sich ja nicht verständigen nur se versteht ja alles.
es wäre aber kein problem gewesen dass sie hier konfirmiert worden wäre,vor ihr wurde ein schwerstbehinderter junge konfirmiert und er ging hier in den komfunti und die jugendlichen liebten und akzeptierten ihn.
aber ich hatte da halt angst dass es anders wird und es sind doch viele fremde jugendliche .
also haben wir eine schöne eigene feier gehabt mit pfarrer und und und.

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