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Rebecca
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Jetzt auch Mami

Beitrag von Rebecca » 2. Mai 2021, 14:33

Hallo zusammen, 2012 war ich hier kurze Zeit Aktiv in meiner Funktion als Behindertenbetreuerin.
Vor kurzem hat mir Bea geschrieben, ob ich mich wieder einmal melden möchte, und da bin ich :D
Also ich bin Rebbi, 38 jahre alt, gelernte Behindertenbetreuerin, und seit 2014 Mami und Hausfrau.
2019 haben wir beschlossen ein Pflegekind zu unseren Töchtern (Maxi 2014/ Mini 2016) dazu zu nehmen, als wir alle Kurse und abklärungen hinter uns hatten, kam Corona und so warten wir immer noch auf unser drittes Kind.

Villeicht musste das so sein, den bis zum Kindergarten von Mini dachte ich, dass ich zwei sehr unterschiedliche, aber völlig gesunde und tolle Töchter habe.....
Mini ist letzten Sommer in den Kindergarten gekommen und seit dem ist es mühsam geworden, schon nach den Herbstferien wurde mir gesagt, was sie alles nicht kann, stift richtig halten, etwas ausschneiden, ihren Namen schreiben, stillsitzen, Frustration aushalten(hat Wutanfälle)den Hampelmann machen, nen ball fangen usw und sie sei viel zu langsam und erzähle habe sehr spezielle Ideen( sie interessiert sich extrem für das Tema Gott und Tod und wenn man fragt was sie lernen will, sagt sie Beerdigungsfrau)
Mittlerweile wurde sie im Krankenhaus abgeklärt, vorläufige Diagnose Hyperaktive tendenzen und ein unterdurchschnittliches kognitives Potential. Sie hat zwar leichte fortschritte im Kindergarten gemacht aber zu wenig.
Es wird von der schule her druck gemacht sie weiter abzuklären, ob sie die „normale Schule“ besuchen kann oder in eine Sonderschule soll.....
Der Kinderarzt will ihr einfach mehr zeit lassen und nich warten und notfalls ein drittes Kindergartenjahr machen lassen.
Wir finden es schade, dass man nur das schlechte sieht, dass sie gut integriert ist, viele Freundinnen hat sehr sozial ist, alle tröstet und jedem ein lächeln ins Gesicht zaubern kann.
Wir wissen nicht wie es weitergeht und fühlen uns von schulischer Seite teilweise unter druck gesetzt. Haben uns jetzt auf zusätzliche Förderung im Kindergarten und zusätzlich ergotherapie geeinigt und schauen wie es im Januar aussieht und dann wird entschieden was wir schulisch machen.

Liebe grüsse von Rebbi mit Maxi und Mini
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Beatrice
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Re: Jetzt auch Mami

Beitrag von Beatrice » 2. Mai 2021, 16:41

Liebe Rebbi

Schön, dass Du meiner Einladung gefolgt bist. Ich freue mich, dass Du wieder da bist.
Ich kann mich da ziemlich gut einfühlen wie es einem gehen mag, wenn das eigene Kind nur von den Defiziten her gesehen wird. Ich war selber so ein Kind, man nennt das Entwicklungsverzögerung - Du weisst von Deiner Tätigkeit her, dass das auf emotionaler, körperlicher, geistiger oder seelischer Ebene vorhanden sein kann und ganz verschiedene Ursachen haben kann.
Bei mir war es ein bekannter Sauerstoffmangel bei der Geburt - dies dürfte bei Mini eher nicht der Fall sein.
Nun gibt es jene, die den Knopf eines Tages von allein aufbringen und andere, denen therapeutisch geholfen werden kann, z.b. die Psychomotorik (das gab es schon zu meiner Zeit - ich bin ja schon fast Oma (Jg. 1967). Sie gibt linkischen Kindern auf spielerische Art mehr Selbstvertrauen. Ich ging da immer gerne hin - es hatte da andere Kinder mit ähnlichen motorischen Schwierigkeiten, daher fühlte ich mich dort wohl und niemand lachte über ein anderes Kind. Heute hört man auch viel von der Ergotherapie - gerade auch bei hyperaktiven Kindern mit evtl. zu wenig Selbstvertrauen. Ich kenne Kinder, die dort ihre ersten Erfolgserlebnisse überhaupt feiern durften.

Es gibt die Kinderärzte, die dem Kind mehr Zeit einräumen möchten -eigentlich schön, nur, jetzt ist sie schon in der Maschinerie Kindergarten - es gibt eine Erwartungshaltung an sie, die sich nicht erfüllen kann. Wenn sie geistig versteht und es mitbekommt, dass sie die einzige ist, die keine Schere handeln kann, wird das zu Kränkungen führen, die einem nicht gut tun. Ich konnte auch nicht mit der Schere, geschrieben habe ich ganz krakelig, gestrickt später so fest, dass sogar die Lehrerin Mühe hatte, falsch gestricktes wieder aufzulösen. Im Turnen war ich die Niete des Jahrhunderts. Letzteres wäre ich wohl heute noch. Alles andere hat sich, langsamer zwar als bei anderen, entwickelt - mit der besagten therapeutischen Hilfe -auch auf motorischer Ebene.

Du kennst von Deinem Beruf her den Weg, die ein Mensch gehen kann, wenn klar wird, dass eine Beeinträchtigung vorliegt. Aber so jung kann man Kinder gut noch unterstützen und eben auch auf eine Art, die an den Defiziten arbeitet, aber es in seinen Stärken betrachtet. Ein so junges Kind ist therapeutisch gut zugänglich, denn es bewertet sich selber meist noch nicht so, als wenn es z. B. in der vierten Klasse ist.
Es geht auch nicht darum, dass Mini falsch ist, so wie sie ist -es geht mehr darum, es ihr zu erleichtern, durchs Leben zu kommen - durch ein Leben, dass leider gewisse "Normen" voraussetzt.

Ein weiteres Kindi-Jahr ist meistens gut - mein Neffe hat auch so eine leichte ADHS-Tendenz, war vor allem noch etwas kindlich - er hat sehr profitiert von einer Rückstellung -und später noch einer Einführungs-Erstklasse. Jetzt ist er auf einem guten Weg, mit gesundem Selbstvertrauen unterwegs.

Gerade Du mit Deinem Background kannst sicher Argumente finden, die für eine spezielle "Therapie" für Deine Mini sprechen. Evtl. hast Du von Deiner Arbeit her auch noch Dinge in petto, wo Du sie fördern kannst.

Wir haben hier im Forum noch andere Mitglieder mit einem entwicklungsverzögerten Kind -und hatten es auch in der Vergangenheit - manche dieser Kinder sind heute gross, in der Lehre und viele Sorgen von damals sind gelöst. Ein Mädchen, das kaum einen ganzen Satz sprechen konnte, macht eine Lehre im Gesundheitswesen. Ein anderes, einst mit der Diagnose Apraxie wird Bäckerin.

Sogar der geäusserte Berufswunsch, der sicher viele vor den Kopf stösst, ihn von einem Kind zu hören, kann einfach ein Zeichen von Phantasie sein - eine Phantasie, die viele entwicklungsverzögerte Kids sich im Kopf aufbauen - wenn man merkt, dass man körperlich nicht mithalten kann, niemanden beeindruckt mit dem was man kann, dann ist es nicht selten und eigentlich auch nicht verwunderlich, dass diese Kinder sich oft auf die Flügel der Phantasie begeben, um über allem zu schweben - und wenigstens so zu beeindrucken. In diesem Alter ist das noch nicht mal lügen. Sie glauben, was sie sagen und sie geniessen die Aufmerksamkeit, die sie so bekommen.

Sollte sie wirklich eine Form der Beeinträchtigung haben, drängt die Zeit hier fast immer, es so früh wie nur möglich festzustellen. Mini ist 5 Jahre alt gell. Autismus wird als Geburtsgebrechen z. B. nur vor Vollendung des 4. Lebensjahr anerkannt von der IV -nachher nicht mehr.
Wie es bei anderen Besonderheiten aussieht, weiss ich mit Sicherheit nicht. Aber grundsätzlich ist es gut, es so früh wie möglich abzuklären.

Bis dahin, sieh sie in ihren Stärken, die sie hat, bestärke sie darin, gib ihr Selbstvertrauen und immer das Gefühl, dass Du sie lieb hast, wie sie ist

Liebe Grüsse
Bea
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Re: Jetzt auch Mami

Beitrag von Rebecca » 2. Mai 2021, 21:27

Liebe Bea, danke für deine Antwort, ja die Maschienerie Kindergarten....
Ich finde es schon wahnsinnig was alles schon in dem alter erwartet wir, mein Patenkind ist 16 und damals hiess es nur er spielt schön mit den anderen kids. Jetzt heisst es sie erkennt nich nicht alle würfelzahlen auf einen Blick, sie erledigt keinen auftrag alleine, sie bringt ihre Freundinnen dazu es für sie zu tun. Und ja sie begreift schon das andere gewisse dinge schon können und sie noch nicht. Ich habe aber auch den Eindruck, dass sie es geniesst wenn sie eins zu eins Betreuung bekommt und wenn sie etwas alleine machen soll, sich auch gerne verliert.
Als wir corona bedingt homescooling hatten, habe ich der grossen diktieren müssen, und sie sollte ein paw patrol Bild ausmalen, sie fühlte sich ständig abgelenkt, konnte sich nicht darauf fokussieren. Und wenn sie sich gezwungen fühlt, wirft sie alles von sich, schmeisst sich unter den tisch und zu Hause versucht sie dann auch uns in die füsse zu beissen, was das ganze nicht einfacher macht.
Ich hoffe sehr die zusätzlichen Förderungen helfen, ich übe mit ihr auch zweimal die woche noch, aber ich will sie ja auch nicht überfordern. Und ich merke jetzt schon, dass man kämpfen muss. Die Lehrerin der ersten klasse meinte, also adhs kinder müssen bei ihr Tabletten nehmen, sonst unterrichtet sie diese nicht....

Wegen der Diagnose die ärzte im spital meinten adhs Diagnose stellen sie nicht vor dem 6. Geburtstag. Und ob die jetzt eine lernbehinderung hat oder einfach den Knopf noch nicht aufgemacht hat, wissen wir nicht.
Einführungsklasse wurde hier abgeschafft, sie werden integriert und es gibt dann einfach nen Nachteil Ausgleich, heisst, sie werden anders benotet, wenn das stimmt, was beim IQ Test herausgefunden wurde, dann ist sie bei 82-87 also genau auf der grenze von unterstem normalbereich und leichter lernbehinderung und ich weiss nicht, ob sie dann für die sonderschule nicht zu schlau ist.
Ja sie ist noch klein5 jahre alt, ich finde es halt schade, das heute schon so stark schubladisiert wird.
Liebe grüsse Rebbi
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Beatrice
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Re: Jetzt auch Mami

Beitrag von Beatrice » 2. Mai 2021, 22:00

Liebe Rebbi

Also diese Äusserung der Lehrerin ist ja HAARsträubend. Das geht ganz bestimmt nicht - das darf die nicht verlangen. Rita....und Co sind ein hartes Geschütz, das kann sich bewähren bei einem wirklich schweren ADHS, es kann Kindern, die sich absolut nicht konzentrieren können auch dazu verhelfen, ruhiger zu werden. Doch wenn man damit anfängt, kann man kaum mehr davon weg. Bei so einem jungen Kind würde ich alles versuchen, es ohne zu machen - aber da müsste man jetzt andere Eltern betroffener Kinder wieder fragen.

Evtl. möchtest Du diese Aussage dieser Lehrerin noch hier im Thread diskutieren. Themenstarterin elwe hat viel Erfahrungen mit dem Schubladendenken an den Kindis und Schulen -und sie hat sich erfolgreich gewehrt, als es hiess, ihre Tochter passe nur in die Sonderschule
http://www.dasanderekind.ch/phpBB2/view ... c7f423462f
Elwes Tochter wurde auch für ein AHDS-Kind gehalten -zuerst, aber sie hat etwas ganz anderes AVWS. Ich kenne Elwes Kind persönlich - sie ist eine so liebe, wenn man ihr Zeit gibt zu verstehen, und wenn sie spürt, man traut ihr was zu - und nimmt sie ernst, dann klappt alles -sie hat mir an der letzten Traumnacht im Zoo geholfen, die Schöggli zu verteilen - sie machte das so souverän und sympathisch. Sie spricht offenbar heute noch von dieser Erfahrung, jemand ganz Wichtiger gewesen zu sein für mich (ich sehe ja nicht so gut) und sie freut sich auf ein nächstes Mal.

Möglicherweise, so tönt das für mich einfach, ist Deine Mini wirklich sehr zerrissen in sich, spürt wohl, dass sie nicht "genügt" und wählt Mittel, die nicht ganz günstig sind. Das Beissen - oh ja, das kommt mir bekannt vor, das war auch meine Waffe, wenn ich mich wehren musste -ich kam körperlich nicht dazu, jemanden zu hauen, also biss ich zu, wenn mir einer zu nahe kam. So habe ich mir den Respekt verschafft und so manche Standpauke zu Hause. Ab der 2. Klasse habe ich niemanden mehr gebissen - da habe ich verstanden, dass man das nicht machen darf - weil es sehr gefährlich ist (Menschenbisse sind wirklich gefährlicher als Hundebisse -nur Katzenbisse sind noch gefährlicher).

Wie hat sie es mit dem Zeichnen? Manche Therapeuten können aus Zeichnungen ganz viel rauslesen.
Auch oft gerühmt um Aggressionen abzubauen wird das therapeutische Puppenspiel. Ich hoffe einfach, dass sich ein Weg finden lässt, der dem Kind und Euch gerecht wird.
Aber nur Ruhigstellen mit solchen Medis - das kann eine Lehrerin nicht verlangen, meine ich, Das ist eine Grenzverletzung.

Ich frage da mal meine Schwester -sie leitet eine Primarschule.

Liebe Grüsse
Bea
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Re: Jetzt auch Mami

Beitrag von Rebecca » 3. Mai 2021, 09:48

Zeichnen.....du kannst es gerne versuchen. Nein ernsthaft geht gar nicht, versuche ich es, bekommt sie nen anfall und brüllt bis ich genervt aufgebe und oder zerreisst das Blatt. Versucht es ein Aussenstehende, lässt sie ihren Charme walten und fragt und erzählt, solange, bis man das zeichnen vergessen hat. Aber auf dem Blatt ist immer noch nichts.
Sie malt höchsens striche und beklebt es dann passend, das macht sie gerne oder schneidet Schnipsel und klebt so ein Bild, aber klassisches zeichnen geht gar nicht, höchstens anmalen.
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orphan
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Re: Jetzt auch Mami

Beitrag von orphan » 5. Mai 2021, 00:24

Hallo Rebecca

Oje ... wie ich das kenne und ich kann nur den Kopf schütteln, dass im Kindergarten immer noch solche Anforderungen gestellt werden. Ich kann ein Lied davon singen! Was habe ich im KIGA für meine Kinder gekämpft und auch dafür, dass sie nicht wiederholen mussten, weil es nichts gebracht hätte ... meiner Meinung nach Fachpersonen, die die Kinder nicht verstehen. Sie können der Fantasie der Kinder nicht folgen. Nicht das Kind ist das Problem sondern das KIGA-System!!!

Stift richtig halten - das konnte weder meine Tochter noch mein Sohn ... sie haben es etwa in der zweiten Klasse gelernt.

Etwas ausschneiden - bei meiner Tochter ging es gerade so ... aber alles andere als schön! Und bei meinem Sohn - man glaubt es kaum - musste ich in den KIGA und sie führten mir vor, dass mein Sohn nicht "schneiden" kann. Ich schaute kurz zu und sagte: er schneidet mit der linken Hand und das ist eine Rechtshänder-Schere. Das kann nicht funktionieren. Peinlich, peinlich ... noch peinlicher, dass KEINE Linkshänder-Schere vorhanden war. Ich erklärte meinem Sohn, dass er im KIGA nur mit der rechten Hand schneiden kann (er ist beidhändig) und wer hätte es gedacht? Von da an konnte er im KIGA schneiden!

Namen schreiben - das haben meine Kinder erst in der ersten Klasse gelernt.

Stillsitzen - das können meine Kinder - 15 und 11 Jahre - heute noch nicht.

Frustration aushalten (hat Wutanfälle) - das hält sich bei meinen Kindern in Grenzen. Aber bei dem, was das Kind alles MUSS aber nicht will oder den Sinn nicht sieht, verwundert es mich nicht, dass Kinder Wutanfälle bekommen! In dem Alter leben doch viele mit ihrer Fantasie und nicht mit dem "System", in das man sie zwängen will.

Den Hampelmann machen - das hat mich zum Lachen gebracht. Ich bin Handball-Trainerin. Aktuell Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren. Da gibt es einige, die den Hampelmann nicht können.

Ball fangen - auch hier erlebe ich als Trainerin immer wieder, dass nicht alle Kinder im Schulalter einen Ball fangen können.

Viel zu langsam - meine Kinder waren immer bei den letzten. Das hat selbst mich manchmal fast in den Wahnsinn getrieben. Aber es gibt immer und überall so viel Spannendes zu entdecken.

Spezielle Ideen - darin sind meine Kinder Profis. Aber wenn man sich auf diese Ideen einlässt, erkennt man die unglaubliche Weite, die ein Kind hat und leider auch, wie stark wir unsere Kinder einschränken. Was ist falsch daran eine spezielle Ideen zu haben? Ich verstehe nicht, dass man das einem Kind ankreiden kann.

Erkennt nicht alle würfelzahlen auf einen Blick - kann das die KIGA-Lehrerin? Ich will gar nicht wissen, wie viele Erwachsene das auch nicht können.

Erledigt keinen Auftrag alleine (sie bringt ihre Freundinnen dazu es für sie zu tun) - das bringt mich gleich nochmals zum Schmunzeln. Ganz ehrlich, zeigt das nicht, welche Intelligenz in dem Kind steckt? Es bringt andere dazu für sie zu arbeiten! Das sind Führungsqualitäten. In dieser Disziplin ist übrigens meine Tochter auch Profi!

Es ist so schade, dass man den Kindern nicht einfach die Zeit lässt, sich zu entfalten. Die sollen wieder lernen auf die Kinder einzugehen. Sie sollten sich mehr auf ihren Auftrag konzentrieren und nicht darauf, ob das Kind nun alle Dinge auf der Liste kann und ins System passt.

Liebe Rebecca, ich wünsche dir viel Kraft für den Weg, den du gerade mit deiner Tochter gehst. Meine Tochter hat auch die Diagnose ADHS. Abgeklärt in der dritten Klasse. Inzwischen ist sie in der 5. Klasse und der IQ konnte bisher nicht abschliessend getestet werden, weil sie gar nicht in der Lage ist so lange zu sitzen und sich so lange zu konzentrieren! Uns wurde Ritalin (Medikamente) auch empfohlen. Wir haben es ausprobiert und meine Tochter meinte, dass sie es nicht nehmen will, weil sie dann nicht mehr so "wild" sei. Sie sei damit auch nicht mehr sich selbst. Seither nimmt sie es nicht mehr. Wir haben als Alternative ein Jahr lang Ergotherapie gemacht. Sie hat in dieser Therapie sehr viel über sich gelernt: Lerntechniken, Strategien zum "herunterfahren", Vorbereitung / Durchführung von "Aufgaben lösen", lernen mit Bewegung etc. und damit ihre Leistungen in der Schule durchschnittlich um eine Note verbessert.
Eine schöne Zeit wünscht
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Re: Jetzt auch Mami

Beitrag von Beatrice » 5. Mai 2021, 14:00

Liebe Orphan

Danke für diesen tollen Beitrag!!!! \:D/


Liebe Rebbi

Folgende Frage habe ich schriftlich an meine Schulleiter-Schwester gestellt:
Weisst Du, ob die Erstklasslehrerin einer Schule verlangen darf, dass alle ADHS-Kinder, die zu ihr in die Klasse kommen, mit Medikamenten versorgt sein MÜSSEN?
Ist das rechtlich erlaubt? Solche Medis sind ja nicht ohne, nicht alle Eltern wollen solches ihren noch so jungen Kindern geben was ich vollkommen verstehe.
Darf die Lehrerin das wirklich so verlangen oder ist das mehr so eine Einschüchterungstaktik?
Würde mich sehr wundernehmen


Und so lautet die Antwort der Schulleiterin (mit über 15 Jahren Praxis):
Nein, die Eltern haben die Entscheidung, ob sie ihr Kind medikamentös behandeln möchten. Allerdings kann die Schule halt andere Massnahmen einleiten (Wegweisen aus dem Unterricht, Ausschluss vom Unterricht für eine bestimmte Zeit, Sonderbeschulung, etc…), wenn das Kind durch sein ADHS sehr stark störend in der Klasse ist und für die restlichen Kinder deshalb kein regulärer Unterricht mehr stattfinden kann.
Jeder Fall ist individuell,
aber wir hatten schon einige Fälle, wo die Medikamente den Kindern wirklich enorm geholfen und ihnen eine recht erfolgreiche Mitarbeit in der Schule ermöglicht haben.
Ich mache auch oft die Erfahrung, dass Eltern die Lehrpersonen falsch verstehen. Wenn diese einfach die Möglichkeit ansprechen, dass die Eltern zusammen mit dem Arzt die medikamentöse Behandlung zumindest prüfen, wird das schon so aufgenommen, als wolle die Lehrperson ihnen dies vorschreiben.




Liebe Grüsse
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Re: Jetzt auch Mami

Beitrag von orphan » 5. Mai 2021, 17:30

@ Bea - die Lehrpersonen dürfen nicht verlangen, dass Ritalin eingenommen wird. Es ist definitiv eine Einschüchterungstaktik. Bei meiner Tochter hat uns das KJPD empfohlen, Ritalin auszuprobieren, aber schlussendlich mit dem Kind zu entscheiden, ob es das will oder nicht. Die Testphase haben wir zusammen mit dem Kinderarzt gemacht. Meine Tochter hat sich ganz klar dagegen entschieden. Das KJPD hat uns gesagt, dass die Entscheidung bei den Eltern (und dem Kind) liegt!
Für Kinder, die ADHS haben, werden IF-Stunden zugeschrieben. Das heisst, dass in Klassen mit Kindern, die ADHS haben, vermehrt eine zweite Lehrperson ist, um diesen Kindern zu helfen.

Bei uns an der Schule wird es in etwa so gehandhabt wie das auch deine Schwester schreibt. Ich weiss allerdings noch von keinem Fall, wo das Kind so störend war, dass der Unterricht nicht regulär hätte stattfinden können. Da liegt oft noch viel mehr vor als nur ADHS ...
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Re: Jetzt auch Mami

Beitrag von Rebecca » 5. Mai 2021, 21:04

Hallo Orphan,
Ich habe mich sehr über deinen Beitrag gefreut. Ich finde es auch anspruchsvoll was schon von den kleinen verlangt wird. Ich durfte im Kindergarten noch nur spielen....
Wegen der würfelzahlen, bei uns wird das vorausgesetzt, ein kind, welches jetzt im sommer eingeschult wird, musste seit januar üben, den das muss man können als Erstklässler, den Namen schreiben können müssen sie schon im ersten Kindergartenjahr.
Wir haben halt mit Maxi nie so über solche Dinge nachdenken müssen, sie könnte alles „ fristgerecht“ oder sogar früher.
Aber ein kind, dass an seinem 3 Geburtstag ein 200 teiliges puzzle alleine und ohne Probleme löst, ist wohl auch kein Massstab.

Wegen der Fantasie von mini. Ich denke zwar eher das sie dieses Thema halt auch wirklich interessiert, oder welche 4 jährige, fragt an der kasse die Kassiererin „ glaubst du an Gott“ oder die Urgrossmutter am Weihnachtsessen. „ uromi, wenn du dann mal zu Gott gehst, verändert sich deine stimme, oder erkenne ich dich daran wieder, wenn ich dann auch in den Himmel komme“
Ich finde es nicht schlimm, aber sie stosst mache damit vor den kopf, weil die Erwachsenen, halt nicht gerne über dieses Thema reden und kleine kinder sollen keine solche ideen haben.

Wegen dem Ritalin, naja, wenn dein kind nicht auf die Dorfschule darf, wenn es keine medis nimmt, ist das für mich durchaus zwang, sie sollten es erst versuchen, also Maxis Mitschüler mit ADHS, da hiess es wenn er keine Medis bekommt, darf er wieder zum schwimmen, noch turnen, noch werken kommen.schlussendlich will man ja in der Regel, dass sein kind da zur schule kann, wo man wohnt. auch wenn sie ja ne freiwillige Helferin, haben die nur für diese kids zuständig ist und von klasse zu klasse geht.

Habe heute gerade mit der Schulleitung diskutiert, weil ich möchte, dass unsere Tochter im zweiten Kindergartenjahr, das erste halbe Jahr vom nachmittags Unterricht befreit wird. ( sie haben im ersten Jahr 4 mörgen an 4 stunden und im zweiten Jahr 5 Mörgen und einen Nachmittag, aber nur alle zwei Wochen ) ich denke das ihr das anfangs zuviel ist und es hiess ja, aber nur mit diagnose und dann müssen beide Elternteile und der Förderlehrer bei der Schulleitung vorsprechen.
Manchmal denke ich, warum einfach wenn es auch kompliziert geht.

Wegen der langsamkeit, da sie heute frei hatte, dache ich sie kann solange zum Frühstücken und anziehen haben wie sie braucht, aber um 11.30 uhr war sie immer nich nicht fertig und wäre es auch beim essen noch nicht gewesen, wenn ich nit klar gesagt hätte , sie kann nur angezogen an den Tisch .
Wegen der Aggression , teilweise reicht es, wenn anfangs esse, die Wasserflasche links von ihr steht, man etwas einschenkt und die Flasche dan woanders hinstellt, dann schreit sie los und wirft sich unter den Tisch und wenn ich dann sage, stop Schluss , dann versucht sie mich zu beissen und sorry aber das ist doch kein Grund so auszurasten, denke ich.

Aber dafür kann sie mir auch tolle Komplimente machen und echt einfühlsam sein.
Liebe grüsse von Rebbi
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Re: Jetzt auch Mami

Beitrag von orphan » 6. Mai 2021, 12:57

@rebbi - bei uns wäre es auch Pflicht gewesen, beispielsweise seinen Namen schreiben zu können. Aber wir haben unsere Kinder trotzdem eingeschult. Unser Sohn wurde mit dem Vermerk "Versuch; nach den Herbstferien wieder zurück in den KIGA" versetzt. Die Lehrerin in der ersten Klasse wollte dann beim Schulgespräch vor den Herbstferien wissen, was dieser Satz auf sich hat. Nach meiner Erklärung meinte sie, dass mein Sohn absolut richtig sei in der Schule und dass sie andere Kinder hätte, die zwar alles auf dieser Liste erfüllt hätten aber eher in den KIGA zurück müssten!
Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch keine Diagnosen für unsere Kinder ...

Betreffend Schule und Ritalin ... ich weiss, dass Lehrer mega mühsam sein können. Wir haben die Schulpsychologin hinter uns, die den Lehrpersonen ganz klar sagt, dass Ritalin kein MUSS ist.
Als wir die Diagnosen hatten, habe ich, wenn wir uns uneinig mit den Lehrpersonen waren, entweder das KJPD (die Psyschologin, die die Abklärung gemacht hatte) oder die Schulpsychologin eingeschalten. Danach hat es immer funktioniert. Inzwischen wissen die Lehrpersonen, dass ich mir zu helfen weiss, und es wird nichts verlangt mit dem wir nicht einverstanden sind.

War sie um 11.30 Uhr nicht fertig, weil sie andere Dinge zwischendurch machte oder war sie tatsächlich so lange am Anziehen? Wenn ich meiner Tochter kein Limit setze, verweilt sie den ganzen Tag im Pyjama. Anziehen gehört bei ihr nicht zur Priorität 1! Oder sie zieht sich vielleicht irgendwann einen Pulli über den Pyjama. Es kommt immer wieder vor, dass ich ihr mehrmals sage, zieh dich an, wir müssen gleich los und wenn wir dann los müssen, ist sie immer noch nicht angezogen. Und wenn sie dann endlich angezogen ist, steht sie - im Winter - möglicherweise mit Kurzarm und ohne Socken vor der Tür, so dass ich sie nochmals "zum Anziehen" schicken muss.
Aber es sind alles Dinge, die sie auch nicht gelernt hätte, wenn sie den Kindergarten wiederholt hätte. Alle Dinge, die im KIGA schon ADHS-typisch waren, hat sie auch im Verlauf der Primarschule nicht gelernt. Einiges geht inzwischen gut, einige Dinge gehen besser und es gibt immer noch Dinge, die gar nicht gehen.
Bei meinem Sohn war es ähnlich. Wirklich besser geworden ist es erst mit 15 Jahren! Erst jetzt ist er teilweise in der Lage sich selber zu organisieren.

Aber irgendwie finde ich das gar nicht so schlimm. Es braucht viel Nerven und Geduld aber irgendwann - ungefähr nach der 1'000-ten Ansage - klappt es auch bei ADHS-Kindern :wink:
Und ich bin sicher, dass beide Kinder ihren Weg gehen werden!

Es gab kurz eine Phase, in der meine Tochter auch viel über den Tod und Gott gesprochen hat. Die ging aber relativ schnell vorbei!

Mit Aggressionen werde ich nicht so oft konfrontiert. Meine Kinder rasten zwar ab und zu aus aber laufen dann eher weg. Beissen oder Schlagen tun sie nicht. Das ist schon heftig, wenn deine Tochter dich beisst!
Allerdings die Situation etwas nehmen und anderswo hinstellen ... kenne ich auch. Da gab es bei uns auch schon ab und zu Geschrei (früher) und heute Diskussionen über das "wie, weshalb, warum", die am Schluss überhaupt keinen Sinn machen :wink: Das kann schon sehr anstrengend sein.

Hat denn deine Tochter schon eine offizielle Diagnose? Muss eigentlich - denn ohne Diagnose, darf sie ja gar kein Ritalin nehmen und dies wäre kein Thema. Sie wurde demnach sehr früh Diagnostiziert.
Meine Tochter bekam die Diagnose ADHS und Schreibschwäche mit 9 Jahren und mein Sohn (Asperger Autist mit Teilhochbegabung) mit 13 Jahren.
Eine schöne Zeit wünscht
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Re: Jetzt auch Mami

Beitrag von Rebecca » 7. Mai 2021, 10:10

@ orphan, danke für Deine Antwort, in vielen was du von deiner Tochter schreibst erkenne ich meine auch wieder.
Nein sie ist zwar abgeklärt aber neADHS Diagnose wollten sie ihr noch nicht geben, frühestens mit 6 eher mit 7 Jahren , war die Antwort. Die offizielle Diagnose ist Hyperaktive Tendenzen und unterdurchschnittliches kognitives Potential....
Da sie aber meine Mutter in kindformat ist, denke ich schon, meine Mum hat auch ADHS und einen IQ an der grenze des unteren Durchschnitt, hatte als Kind keine Diagnose und als ihr Umfeld nichtmehr mit ihrem verhalten klar kam, bekamm sie Valium, bis ein Lehrer sich für die Absetzung einsetze, da sie stehts im Unterricht schlief deshalb.

Sie war teilweise am anziehen bis 11.30 Uhr, dann kommt ihr plötzlich ne spielidee oder sie zählt ihre Zehen usw, egal ob sie vielleicht nur in Unterwäsche oder gar nackt ist, sie lässt sich halt wirklich durch alles ablenken und kann nirgends dranbleiben.

Und ne sie läuft nicht weg bei den Wutanfällen sondern wirft sich oder den Gegenstand auf den Boden und verletzt sich auch mal selbst dabei oder versucht dann zu beissen, dies macht sie aber nur bei uns, nicht im Kindergarten.


Liebe grüsse und ein schönes Wochenende Rebbi
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Re: Jetzt auch Mami

Beitrag von orphan » 9. Mai 2021, 20:27

@Rebbi - nur deine Mutter oder hast auch du ADHS? Bei uns ist es so, dass meine Mutter ziemlich sicher ADHS hatte aber nicht diagnostiziert wurde. Ich wurde als Kind auch nicht diagnostiziert und meine Mutter fand meine "wilde" Kindheit nicht aussergewöhnlich, weil sie es nicht anders kannte. Genauso ging es mir dann wieder bei meinen Kinder. Da ich kein "normal" kannte, fand ich meine Kinder erstmal auch "normal". Zusammen mit meinen Kindern habe ich mich aber auch diagnostizieren lassen. Anhand meiner Tagebücher, die ich als Kind zahlreich führte, konnte eine zweifelsfreie Diagnose gestellt werden. Ich habe ADHS mit massiver Einschränkungen im Alltag. Sowie Wahrnehmungsstörungen und ziemlich sicher eine Hochsensibilität - aber das hätte ich zusätzlich abklären müssen und das wollte ich nicht! Bei meiner Tochter ist es ähnlich. Auch sie hat nebst dem ADHS Wahrnehmungsstörungen und ist ziemlich sicher hochsensibel. Sie ist IV anerkannt für das Geburtsgebrechen POS. Für POS müssen einige Symptome mehr vorliegen als für die Diagnose ADHS. Bei POS muss beispielsweise auch ein IQ im Normbereich oder darüber vorliegen nur dann, wird es anerkannt. Darin liegt dann auch die Schwierigkeit, die Diagnose zu erkennen, weil wir schulisch "anders" auffallen.

... das mit dem Anziehen ... oder in Unterwäsche bzw. halbnackt rumlaufen ... kennen ich definitiv auch. Seit sie in er Pubertät ist, hat sich zumindest das halb nackt rumlaufen erledigt ... :wink:
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